Cäciliengroden/sande - Als Jörg Zimmermann vor viereinhalb Jahren seine Stelle als neuer Pastor in Sande und Cäciliengroden antrat, konnte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Sande personell noch aus dem Vollen schöpfen. Zusammen mit Zimmermann, der aus Bonn kam, hatten sich drei Bewerber vorgestellt. Mit dem Seelsorger aus dem Rheinland, der sich am Ende als Favorit des Gemeindekirchenrats herauskristallisierte, plante man für längere Zeit. Doch aus erhofften zehn Jahren wurden am Ende nicht einmal fünf. Zum 1. April tritt der 59-Jährige eine Pastorenstelle in Neuss an. Ende März verlässt er Sande. Sein Weggang sei „unglaublich schade“, so Astrid Kasjens als Vorsitzende der Gemeindekirchenrats.
Die Gründe für den erneuten Fortgang eines Pastors in Sande blieben im Pressegespräch im Ungefähren. Private und dienstliche Gründe führte Zimmermann an, ohne ins Detail zu gehen. Familiär dürfte eine Rolle gespielt haben, dass Zimmermann und seine Frau mit der neuen Stelle in ihre Heimat zurückkehren können. So viele Gelegenheiten böten sich bis zum Ruhestand nicht mehr, sagt er. Dienstliche Gründe, die es auch gegeben habe, seien in den zuständigen Gremien besprochen worden, so der Pastor. „Ich hatte ursprünglich schon die Idee, bis zur Pensionierung zu bleiben“, räumt er ein.
Mit den öffentlichen Diskussionen über die Zukunft der kirchlichen Gemeindehäuser und eine Mitnutzung durch die politische Gemeinde habe sein Weggang allerdings ursächlich nichts zu tun. Nach wie vor hofft Zimmermann darauf, dass sich die Politik Sandes darauf verständigt, gemeinsam mit der Kirchengemeinde die Häuser zum Nutzen beider zu erhalten. Dies hatten er und die Ehrenamtlichen im Zuge des Sparkurses der Kirchengemeinde verhandelt.
Wenn es auch nicht der begleitende Streit mit den Siedlern war, so könnte aber doch der Umbruch in der Kirche selbst eine gewichtige Rolle gespielt haben. Der Ausbau der Seelsorge, die Zimmermann so sehr am Herzen liegt, musste zeitlich immer wieder zurückstecken. Stattdessen wurden viel Kraft und Zeit benötigt, um zu organisieren und mit immer weniger Geld und Mitgliedern eine Zukunft zu gestalten.
„Die Umbruchprozesse sind sehr aufreibend“, räumt auch Kreispfarrer Christian Scheuer ein. Er habe die große Sorge, dass bei Ehren- und Hauptamtlichen auf Strecke „enorme Verschleißerscheinungen“ eintreten. Er dankte Zimmermann für die sehr gute Zusammenarbeit. Zimmermann selbst dankte besonders dem Gemeindekirchenrat. Er werde vor allem auch seinen Gospelchor, die Konfirmanden sowie Gottesdienste in Schulen und Kitas vermissen.
Anders als 2016 schöpft Sandes Kirchengemeinde aktuell nicht aus dem Vollen. Die Frage, wie es nach dem 1. April weitergeht, kann Scheuer derzeit nur mit Wenn und Aber beantworten. Fest steht, dass Pastorin Katja Nolting-Möhlenbrock, die bisher schon eingesprungen ist, der Gemeinde noch länger erhalten bleibt. Dann gibt es einen Bewerber für die beiden halben Stellen in Krankenhaus-Seelsorge und als Nachfolge für Sonja Froese-Brockmann, die Sande schon Anfang 2019 verlassen hatte. Zwei Ausschreibungen auf die zunächst nur halbe Stelle blieben zuvor erfolglos. Schlussendlich wird noch mit dem Oberkirchenrat darüber verhandelt, die kirchenweit gültige halbjährige Wiederbesetzungssperre auszusetzen, so dass auch für Zimmermann sofort eine Nachfolge gesucht werden kann. Wenn das alles klappt, könnte man Weihnachten vielleicht schon wieder mit voller Besetzung Gottesdienste feiern, hofft Scheuer. Bis dahin stehen allerdings anspruchsvolle Monate vor den verbliebenen Seelsorgern.
Immerhin: Für die Standortfrage ist der Weggang von Jörg Zimmermann nicht von Bedeutung. „Wir werden die Stelle eins zu eins wiederbesetzen“, verspricht der Kreispfarrer.
