Sande - Eine junge Frau bemerkt eine zunehmende Sehstörung auf einem Auge und kann nach wenigen Tagen schon fast nichts mehr erkennen. Sie sucht einen Augenarzt auf, der sie schon bald zum Neurologen überweist. Nach einigen Untersuchungen äußert der den Verdacht auf Multiple Sklerose.
So oder ähnlich beginnt häufig die Krankheitsgeschichte bei Multipler Sklerose, kurz MS. Es ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie kann das Gehirn, das Rückenmark sowie die Sehnerven befallen und tritt häufig im jungen Erwachsenenalter auf.
Bestmögliche Versorgung
Die bestmögliche Versorgung zu finden, ist für jeden MS-Erkrankten von höchster Bedeutung. Die vom Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) ausgezeichneten MS-Zentren geben hier eine unabhängige, verlässliche Orientierung und weisen den Weg zu einer fachgerechten Versorgung.
Das Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch (NWK) wurde jetzt von der DMSG als MS-Zentrum ausgezeichnet und zertifiziert. Der Chefarzt der Neurologischen Klinik, Prof. Dr. Pawel Kermer, nahm das Gütesiegel am Dienstag von der Geschäftsführerin der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft Niedersachsen, Sabine Behrens, entgegen.
Grundlage der Auszeichnung sind die mit international führenden MS-Experten entwickelten strengen Vergabekriterien des DMSG-Bundesverbandes. Dazu gehört unter anderem die kontinuierliche Betreuung einer Mindestzahl von MS-Patienten. Sanderbusch behandelt rund 200 MS-Erkrankte pro Jahr.
Weitere Voraussetzungen sind eine standardisierte Befunderhebung und -dokumentation, leitliniengestützte Behandlungskonzepte zur Schubtherapie, zur verlaufsmodifizierenden Therapie und zur symptomatischen Therapie sowie eine enge Zusammenarbeit mit der DMSG. Zusätzlich leisten die Zentren durch die Dokumentation für das Deutsche MS-Register, das von der DMSG initiiert und betrieben wird, einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Situation MS-Erkrankter in Deutschland. Die Erfüllung der Kriterien ist regelmäßig nachzuweisen.
Für NWK-Geschäftsführer Frank Germeroth ist der größte Gewinner dieser Auszeichnung der Patient. Er erinnerte daran, dass das Nordwest-Krankenhaus vor nicht allzu langer Zeit den Aufbau einer kleineren Tagesklinik für MS-Patienten in Sanderbusch beantragt hatte. „Das wurde von den Kostenträgern jedoch unisono abgelehnt.“ Sabine Behrens sieht die nun erfolgte Zertifizierung von Sanderbusch als MS-Zentrum als gutes Argument, bei den Krankenkassen einen weiteren Anlauf zu wagen.
Komplettes Spektrum
Chefarzt Dr. Pawel Kermer erläuterte, dass Sanderbusch in der MS-Behandlung heute mehr biete als viele Häuser in der Region. „Differenzialtherapeutisch können wir das komplette Spektrum anbieten“, so Kermer. Mit dem Zertifikat könne Sanderbusch nun auch sichtbar machen, dass der Patient hier Zugang hat zu einer modernen, zeitgemäßen und individuell abgestimmten Therapie.
Für Sabine Behrens von der DMSG ist die Zertifizierung von Sanderbusch als MS-Zentrum der Gegenbeweis der angeblich unzureichenden Patientenversorgung im ländlichen Raum: „In Sanderbusch haben Patienten den Zugang zu den allerneuesten Therapien.“
Der DMSG-Bundesverband weist in seinem Verzeichnis für Kliniken und Praxen auf alle DMSG-ausgezeichneten Zentren hin.
