Neustadtgödens/Sande - Das Landrichterhaus in Neustadtgödens soll im kommenden Jahr zum außerschulischen Lernort ausgebaut werden. Unter dem Thema „Du spinnst“ sollen Schüler hier Grundlegendes über den Anbau von Flachs und die Verarbeitung des daraus gewonnenen Leinens lernen. Das berichtete Stephan Horschitz, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zweckverband Schlossmuseum Jever, zu dem das Landrichterhaus in Neustadtgödens gehört, im Sander Ausschuss für Sport, Kultur und Tourismus.

Zum 475-jährigen Bestehen des Fleckens Neustadtgödens hatte es in diesem Jahr eine neue Sonderausstellung gegeben, die viele Besucher hatte. Unter dem Titel „Leinen – los“ war darin die Zeit in den Fokus gerückt, als Neustadtgödens seine wirtschaftliche Blüte erlebte. Damals hatten sich hier zahlreiche Leinenweber angesiedelt, Neustadtgödens stand für höchste Qualität beim Leinen, hier wurde vor allem Tischwäsche für den gehobenen Haushalt hergestellt und gehandelt. Dabei verdienten die Weber selber nicht mal besonders gut, es waren vor allem die Händler, die ihren „Schnitt“ machten. Für die Führungen war eine neue Figur, Peter Alberts Swart, auf den Plan getreten, der Leinenreeder (Händler), Mennoniten-Prediger und Fleckenvorsteher wurde von Werner Kleinschmidt verkörpert.

In der Ausstellung wurde das Thema theoretisch aufgenommen, zugleich aber gab es auch Praktisches zu erleben. Mit einem Flachsfeld, auf dem man verfolgen konnte, wie der Rohstoff fürs Leinen heranwächst, und mit Webern, die zeigten, wie man früher arbeitete. Diese Ausstellung wird in leicht veränderter Form auch im kommenden Jahr noch gezeigt und soll auch Mittelpunkt für die Arbeit mit Schülern sein.

In diesem Jahr gab es in Neustadtgödens etwas weniger Gästeführungen als in den Jahren zuvor, zugleich aber mehr Besucher, berichtete Horschitz weiter. 2018 hatte es aus Kostengründen eine Verringerung der Öffnungszeiten um 35 Prozent gegeben, in gleichem Anteil war damals die Besucherzahl zurückgegangen. Zugleich hatte es auch 2018 keine neue Sonderausstellung gegeben. Die Öffnungszeiten wurden jetzt beibehalten und sollen auch 2020 unverändert bleiben.

Viel Arbeit macht den Mitarbeitern die Inventarisierung der Objekte, von denen es rund 1500 im Landrichterhaus gibt. Bisher wurden 66 inventarisiert, das heißt, jedes Stück wird in allen Einzelheiten beschrieben und in einen Katalog aufgenommen.