Sande - Wir haben uns an das notwendige Prozedere gewöhnt und wir kommen zurecht“, erklärte Susanne Tapken, Schulleiterin an der Grundschule Sande im Schulausschuss zur aktuellen Situation unter Corona an den Schulen. Auf Details wollte sie nicht eingehen, möglicherweise lag das aber auch an der Terminierung des Ausschusses – die Kommunalwahlen sind gelaufen, in Kürze wird der Rat in einer ganz anderen Zusammensetzung als bisher tagen. Was sollte man da gerade jetzt noch anschieben können?

Erst auf hartnäckige Nachfragen, einerseits von Ulrike Schlieper (SPD), andererseits von Kirstin Anders-Pöppelmeier (Grüne) hin war denn doch von Schwierigkeiten an vielen Ecken zu erfahren. So gab es einerseits die Einschulung, die unter ganz anderen Vorzeichen als zu „normalen“ Zeiten verlief. „Ich habe in meinem langen Schulleben keine Eingliederung von Erstklässlern erlebt, die so schwierig war, wie in diesem Jahr“, sagte Meike Kreutzburg, Leiterin der Grundschule Neustadtgödens. Es hätten weder „Schnupperstunden“ in ausreichender Anzahl zum Ende der Kindergartenzeit hin stattfinden können, noch seien mehrere Elternabende möglich gewesen. Zudem müssen alle Lehrer und Schüler noch immer den gesamten Schultag lang eine Maske tragen. „Um eine vernünftige Bindung zu erreichen, brauchen Kinder aber die gesamte Mimik“, so Kreutzburg. Ganz abgesehen von den Schwierigkeiten, sich klar zu verstehen und durch Nachahmung den Sprachschatz korrekt zu erweitern.

Die neuen Aktions- und Förderprogramme des Kultusministeriums empfinden alle Schulleiterinnen – salopp gesprochen – als schlechten Scherz. Im kommenden Jahr stehen dafür in der Grundschule Sande beispielsweise gut 5300 Euro zur Verfügung. „Jeder kann sich ausrechnen, wie wenig Personal ich dafür einstellen kann“, so Tapken. Die Forderung des Ministeriums, mit Vereinen und Gruppierungen zusammenzuarbeiten, hält sie für wenig zweckmäßig. Kinder benötigten feste Ansprechpartner. Der Wunsch aller drei Schulleiterinnen aus Sande, Cäcilien-groden und Neustadtgödens wäre es, die Schulen grundsätzlich mit Sozialpädagogen auszustatten. „Das ist schon lange überfällig, Kindheit ist heute viel schwieriger als noch vor 20 Jahren und aktuell kommt auch noch Corona hinzu“, so Tapken. Mit solchen Fachleuten an der Seite „würden wir auch viel bessere Arbeit leisten, weil wir als Lehrer uns dann auf unser Kerngeschäft konzentrieren könnten.“ Das jetzt zugewiesene Geld würde auch dann nicht reichen, wenn alle drei Grundschulen sich eine Fachkraft teilen würden. Gleichwohl wollen die Schulen nicht auf die Förderpakete verzichten, sondern sie möglicherweise sinnvoll für Fortbildungen nutzen. Hier sei man mit den Überlegungen aber noch nicht am Ende.

Während der Sommerferien hatte weder seitens der Schulen noch von Seiten der Gemeinde eine Förderung für Schüler stattgefunden. Es gab keine Kurse, um fehlende Grundlagen aufzuarbeiten, ebenso waren keine Schwimmkurse angesetzt. Pöppelmeier fragte das nach und betonte, dass man hier eine Chance verpasst habe – das sei allerdings auch dem Schulausschuss anzukreiden.