SANDE - „Kein Deich, kein Land, kein Leben“ – Diesen Wahlspruch prägte Deichrichter Albert Brahms, dessen Todestag am 3. August 1758 sich jetzt zum 250. Male jährte.

Die Sippe Brahms war seit Jahrhunderten im Raum Sande, Gödens und Etzel ansässig. Nach Eindeichung des Schwarzen Bracks 1615 gründete Graf Anton-Günther von Oldenburg das Vorwerk Oberahm. Bereits 1647 verpachtete er das reichlich 850 Grase umfassende Vorwerk. 1690 wurde Harm Brahms, der Vater des Albert Brahms, Pächter des Vorwerks.

Albert, 1692 geboren, war dazu bestimmt, Bauer zu werden. Doch er las in den Latein- und Mathematikbüchern seines jüngeren Bruders, seine Mutter besorgte ihm heimlich Fachbücher. Dadurch eignete er sich umfangreiche Kenntnisse in Deich-, Siel- und Hafenbau an. Sein Onkel, der Deichrichter war, spornte ihn zusätzlich an.

Albert Brahms bezog das Landgut Soltengroden an der Anschlussstelle des Ostergrodendeiches an den Sanderahmer Deich. Hier erlebte er mit Frau und Kind Weihnachten 1717 die gewaltige Sturmflut. Die erreichte eine Höhe von 3,70 Metern bei einer Deichhöhe von drei Metern. Allein in Sande fanden 122 und in Mariensiel 36 Menschen den Tod, hinzu kamen große Schäden an Hab und Gut und verendeten viele Tiere.

Albert Brahms musste drei Tage lang mit seiner Familie auf dem Boden ausharren. Von der Obrigkeit wurde Brahms zum Rottmeister bestellt. Somit war gewährleistet, dass nicht wild drauflos gebaut wurde. Dank seiner Besonnenheit und Tatkraft wurden im Kirchspiel Sande die größten Kolke mit Notdeichen durchdeicht. Von Ende April 1718 bis Mitte Juli benötigte man, um das Mariensiler Sieltief abzudämmen. Das Siel war durch die Sturmflut aus dem Deich herausgespült worden. Zweimal täglich strömten Ebbe und Flut ins Binnenland und verdarben die Ländereien. Der aufgeweichte Boden ließ die Arbeit mit Schlitten und Pferden nicht zu, deshalb mussten Koyer die Erde an den Deich schaffen. Ein neues Mariensiel wurde erst nach der Neujahrsflut 1721 angelegt.

In diesen Jahren wurde Albert Brahms zum Deichrichter ernannt. Während dieser Zeit wurde u. a. der Halbmond umdeicht. Der in Geometrie gut ausgebildete Brahms konnte den Bedarf an Erde genau berechnen und somit auch die Kosten ermitteln. Die Neujahrsflut 1721 und die Flut vom 14. Januar 1721 verursachen neue Schäden an den Jeverschen Deichen. Es reifte die Einsicht, dass die alten Deichhöhen nicht mehr genügten.

Brahms hatte mit einem von ihm konstruierten Flutmesser an vielen Stellen die genaue Fluthöhe ermittelt. Alle Deiche des Jeverlandes wurden um drei Fuß über die 1717-Fluthöhe erhöht. 1730 erstellte er eine Karte der jeverschen Küste mit den individuellen Deichprofilen. Durch seine Kenntnisse wurde er in der weiteren Umgebung zu Gutachten und Beratungen hinzugezogen. So wirkte er mit am Mariensiel, beim Jeverschen Groden, Sophiengroden und Friederikensiel.

Seine Erkenntnisse hat Brahms u.a. in dem zweibändigen Werk „Anfangsgründe der Deich- und Wasserbaukunst“ niedergeschrieben. Fürst Friedrich-August von Anhalt-Zerbst war davon so beeindruckt, dass er Albert Brahms den Titel eines „Hochfürstlichen Anhalt-Zerbstschen Geometra“ verlieh.