SANDE - Fassungslos steht Sergejs Piskunovs mitten in der Sander Eishalle. Er kann es nicht glauben, dass sein Tor nicht zählen soll. Die Nerven liegen blank in dieser Situation, denn nach über 70 Minuten Spielzeit steht es in der Partie zwischen dem ECW Sande und den Schönheider Wölfen noch immer unentschieden. Erst im Shoot-Off soll der Sieger des zweiten Finalspiels bestimmt werden. Umso ärgerlicher war es für die Sander Eishockeyspieler als sie erfahren haben, dass der Schiedsrichter schon vor Piskunovs Penalty-Treffer abgepfiffen hat. Und noch ärgerlicher wurde es, als die Gäste aus Schönheide letztendlich das Tor zu 4:3-Sieg erzielten und vor den Augen der Sander Fans die Meisterschaft in der Verzahnungsrunde feierten.

Dabei sah es zu Beginn der Partie danach aus, als würden die Jadehaie den Sieg holen. In der ersten Minute setzten sie sich durch einen Treffer von Vladislavs Balakuns ab und zwei Minuten später traf Vitalijs Hvorostinins zur 2:0-Führung. Doch, dass eine frühe Führung auch gedreht werden kann, erfuhren die Jadehaie bereits im Hinspiel. Vor einer Woche verloren sie mit 4:5 nach einer 4:1-Führung. In der Partie waren es die Zeitstrafen, die für die Wende sorgten. Und auch am Samstag ging es wieder turbulent zu. Besonders im zweiten Durchgang mussten immer wieder Spieler beider Teams auf die Strafbank.

Die Gäste nutzten ihre Überzahl aus und schlossen auf, während die Entscheidungen der Schiedsrichter von den Fans lautstark angezweifelt wurden. Dabei adaptierten sie Praktiken aus dem American Football: Wenn dort ein Spielzug strittig ist, wirft der Unparteiische seine Fahne auf das Feld. Im Fall einer strittigen Schiedsrichterentscheidung in der Sander Eishalle flog kurzum ein kleines Gummihünchen aufs Eis. Aber auch das war nur ein Zeichen dafür, dass die Nerven bei den Fans blank lagen. Denn die beiden Mannschaften waren absolut gleichstark – so konnten nur die Zeitstrafen für einen Unterschied sorgen. Im letzten Drittel wurde allerdings deutlich, dass bei den Jadehaien langsam die Kräfte schwanden. 'Ich habe ein bisschen den Siegeswillen vermisst', sagte der Sander Kapitän Nick Hurbanek. Dennoch hielt sein Team gut dagegen, sodass auch nach der Overtime kein Sieger feststand. Also musste die Partie im Penaltyschießen entschieden werden, wo die Wölfe letztendlich einen kühleren Kopf behielten. 'Im Moment herrscht erstmal nur Leere', fasst Hurbanek seine Gefühle zusammen.

Die Niederlage ist zwar ärgerlich für die Sander, doch jetzt haben sie endlich die Chance, sich von der anstrengenden Spielzeit zu erholen – sie waren nämlich seit Mitte Oktober des vergangenen Jahres jedes Wochenende im Einsatz. 'Mir reichts jetzt erstmal mit dem Eishockey', sagt Nick Hurbanek und fügt mit einem Grinsen hinzu: 'Zumindest für die nächsten zwei Wochen. Danach bereiten wir uns auf die neue Saison vor.'