Sande - In Altmarienhausen beißt künftig niemand mehr aus Unwissenheit in den sauren Apfel. Holzschilder an den 80 Obstbäumen weisen die Besucherinnen und Besucher neuerdings darauf hin, um welche Sorte es sich handelt – und vor allem wann sie am besten genossen werden können. Denn in der Vergangenheit sei es immer wieder mal vorgekommen, dass Gäste des historischen Guts einen knackigen roten Apfel für reif hielten und dann eine Überraschung erlebten. Nun sind die uralten Sorten, darunter Apfel, Birne und Pflaume, genau beschrieben.

Die Schilder sind nur ein Teil dessen, was sich in den Außenanlagen in den vergangenen Monaten alles verändert hat. Gemähte Graswege schlängeln sich durch die Obstwiesen. Weiter hinten stößt der Gast auf einen naturnahen Garten. Die Imkerei ist noch im Aufbau. Dort kann den Bienen – ebenso wie anderen Tieren im bereits aufgebauten Insektenhotel – in ihrem Alltag über die Schulter geschaut werden. Die Jugendwerkstatt Friesland hat Silhouetten aus gerostetem Stahl gefertigt. Da ist zum Beispiel eine Obstpflückerin zu sehen, wie sie an einem Obstbaum steht und ein Schild weist die Besucher darauf hin, dass sie gerne etwas probieren dürfen.

Zur gestrigen Eröffnung und Vorstellung der ganzjährig geöffneten Anlagen präsentierte sich Altmarienhausen im Sonnenschein von seiner besten Seite. Kirstin Anders-Pöppelmeier, eine von vielen Ehrenamtlichen, die zum Gelingen beigetragen haben, berichtete aber auch von sehr matschigen und kalten Tagen. Das hielt die Vielzahl der ehrenamtlichen Helfer von Naturschutzverbänden (BUND, Nabu), Imkern, Bezirksverband Oldenburg, Arbeitsgemeinschaft Naturgarten, AG Altes Sande und anderen aber nicht davon ab, das Kleinod vor den Toren Sandes herauszuputzen.

Ermöglicht hat all das aber auch ein großer Geldeinsatz. Die Sanitäranlagen und die Elektrik sind bereits erledigt. Während in der Küsteum-Ausstellung noch getüftelt wird, sind die Außenanlagen jetzt bereits fertig. Rund 200 000 Euro hat Sande in die Hand genommen. Nur etwas mehr als die Hälfte muss die Gemeinde aber selbst stemmen: 45 Prozent stammen aus Fördermitteln, etwa von der Wattenmeerstiftung, vom III. Oldenburgischen Deichband, der Bingostiftung, vom Landkreis Friesland und der NBank (EU- und Landesmittel).

Türöffner war Sandes Status als Biosphärenreservatsgemeinde in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, betonte Bürgermeister Stephan Eiklenborg. Während in anderen Kommunen die Sorgen über Einschränkungen in der Planungsfreiheit überwiegen, erntet Sande bereits die Früchte dieser Kooperation. Ausstellung und Außenanlagen vermitteln den Besuchern, was es mit dem Biosphärenreservat auf sich hat. Den Anstoß gab laut Sebastian Janßen von der Gemeinde eine andere Förderung, bei der die Stiftung Sande den Tipp gab, doch mehr zum Thema zu machen. Vor drei Jahren wurde mit der Planung begonnen und jetzt sind die Ergebnisse sichtbar.

Mit den Sitzgelegenheiten und dem durchdachten Konzept kann die Anlage mit dem malerischen Flair von Schloss Gödens mithalten. „Nur dass hier der Eintritt kostenlos ist“, wie eine der Aktiven betont. Nebenbei bekommen Spaziergänger im naturnahen Garten auch Tipps und Tricks aufgezeigt, wie mit wenig oder gar keinem Geldeinsatz etwas Ähnliches auch zuhause gelingt. Einige der Pflanzen wurden übrigens aus bzw. vor Abbruchhäusern „gerettet“, wie Kirstin Anders-Pöppelmeier betont. Die Eigentümer hatten jeweils zugestimmt.

Eiklenborg dankte der Politik, die das Projekt – einmal mehr in finanziell schwierigen Zeiten – gut gesagt hat. Zugleich zeige sich hier aber auch einmal mehr der Wert des Ehrenamtes und was Tolles dabei herauskommt, wenn viele Menschen zu etwas beitragen.