Sande - Alarm, kurz vor Mittag, ein großer Brand, alles muss möglichst zügig gehen. Doch die Einsatzwagen können nicht ausrücken: Etliche der Feuerwehrfrauen und -männer hängen bei ihrer Arbeitsstelle fest, werden für den Einsatz von ihren Arbeitgebern nicht freigestellt, ein anderer Teil sitzt in Corona-Quarantäne zuhause und darf nicht raus.
Ein Szenario, dass der Führungsriege der Freiwilligen Feuerwehr in Sande immer mal wieder durch den Kopf ging, doch zum Glück ist es so weit nicht gekommen: „Ich danke allen für ihr umsichtiges Verhalten, dadurch haben wir zu jeder Zeit die Einsatzfähigkeit aufrecht erhalten können“, bilanzierte Gemeindebrandmeister Peter Hoffbauer bei der Generalversammlung der Wehren in Sande.
Keiner hat sich bei der Feuerwehr mit Corona angesteckt
Nach einer Pause von drei Jahren sahen sich die Feuerleute aus den Ortswehren Gödens und Sande zum ersten Mal bei so einer Versammlung wieder und auch hier war deutlich zu merken: Alle sind noch zurückhaltend, es waren längst nicht alle Plätze belegt. Hoffbauer beschrieb die zahlreichen Maßnahmen, unter denen sich die beiden Wehren während der vergangenen Jahre jederzeit für den Einsatz fit gehalten und dennoch möglichst jeden Kontakt vermieden hatten. Keiner der heute insgesamt 98 Aktiven (davon elf Frauen) hatte sich im Zusammenhang mit der Feuerwehr mit dem Virus infiziert.
Weniger Einsätze und Forderung an Eiklenborg
Die Zahl der Einsätze hatte sich während der Pandemie fast halbiert, 2021 hatten die Wehren insgesamt 56 Einsätze, davon 34 Brandeinsätze und 22 Hilfeleistungen. Auch der Erwerb von zusätzlichen Qualifikationen hat gelitten, es wurden nur wenige Lehrgänge absolviert, so dass nur fünf Beförderungen vorgenommen wurden.
Nach wie vor ein großes Problem ist die Tagesverfügbarkeit, weil etliche Feuerwehrleute für die Einsätze nicht freigestellt werden. Seit Ende 2019 werden deshalb oft gleich beide Ortswehren alarmiert, um die Einsatzbereitschaft sicherzustellen. Dennoch reiche das nicht aus, mit Adresse an Bürgermeister Stephan Eiklenborg forderte Hoffbauer Lösungen.
Ortswehr Gödens braucht neues Fahrzeug
Die Ausstattung der Feuerwehr kommt voran, die politischen Gremien haben „grünes Licht“ für die Beschaffung von dringend benötigter Einsatzkleidung sowie den Ersatz eines weiteren Einsatzfahrzeugs gegeben, nachdem bereits ein altes Fahrzeug 2021 ausgemustert und durch ein neues ersetzt wurde. Feuerwehrfahrzeuge werden nicht „von der Stange“ gekauft, sie werden individuell nach Bedarf angefertigt. Das dauerte zuletzt für das neue Sander Fahrzeug rund drei Jahre und ist für die Gemeindekasse jeweils eine hohe Belastung im Haushalt. Für die Ortswehr Gödens müsse nun zeitnah dringend ein neues Fahrzeug geplant werden, um das mittlerweile 26 Jahre alte Löschfahrzeug abzulösen, sagte Hoffbauer.
Lob an Führungspersonal in schwierigen Zeiten
Der Gemeindebrandmeister lobte neben der großen Besonnenheit aller Feuerwehrmitglieder das besondere Engagement der Führungsriegen. Sowohl in Sande als auch in Gödens hatten die Ortsbrandmeister und ihre Stellvertreter ihre Positionen erst kurz vor der Pandemie übernommen. Die Wehren so gut durch diese schwere Zeit zu führen, sei eine ganz besondere Leistung, erklärte Hoffbauer. Denn durch Corona war auch die sonst übliche gesellige Runde nach einem Einsatz nicht drin. Dabei werden belastende Erlebnisse oft schon im Gespräch verarbeitet. Umso wichtiger sei es, bei seelischer Überlastung Unterstützung zu suchen.
