SANDE - Da wurden wehmütige Erinnerungen an frühere Zeiten wach: Beim Festgottesdienst zum 50-jährigen Jubiläum der katholischen St.-Bonifatius-Kirche in Sande war das Gotteshaus auf den letzten Platz besetzt. Das war früher an der Tagesordnung, heute gibt es das aber oft nicht einmal mehr bei den Weihnachtsgottesdiensten – denn die Gemeinde schrumpft.

Vor 50 Jahren war das noch ganz anders. Damals war die katholische Kirchengemeinde eine wachsende Gemeinde. In Sande gab es noch keine katholische Kirche, dafür aber im Ortsteil Cäciliengroden an der Paul-Hug-Straße – eine Holzkirche, im Volksmund auch 'Baracke' genannt. Hier wurden die Gottesdienste gehalten, denn durch den Zuzug von zahlreichen katholischen Werftarbeitern war in dieser Siedlung auch ein großer Teil der Bevölkerung katholisch. Ansonsten war in Bezug auf das Gemeindeleben viel Improvisation gefragt. Die Holzkirche musste später abgerissen werden, denn durch Pilzbefall war das Bauwerk marode geworden.

Beim Jubiläum leitete Dechant Andreas Bolten den Festgottesdienst in der St.-Bonifatius-Kirche, einer Backsteinkirche mit zwei runden Türmen, die einem Vorbild aus der Eifel nachempfunden wurde. Musikalisch gestaltete der Chor aus St. Marien in Wilhelmshaven den Gottesdienst. Bolten zur Seite standen die Pfarrer Bernhard Thiel und Herbert Graf von Merveldt, die beide lange Jahre in Sande tätig waren. Von Merveldt und auch Bruno Drücker, Vorsitzender des Ortsausschusses, erinnerten bei einem anschließenden Empfang mit zahlreichen Gästen an die Zeit der Grundsteinlegung im Jahr 1961, die Einsegnung ein Jahr später und die Folgezeit. Erst 1994 war die Kirche nach den Richtlinien des zweiten vatikanischen Konzils komplett renoviert und umgestaltet worden. Ein Jahr später waren unterhalb des Altars dann auch die Reliquien der Heiligen Theresa eingemauert worden. Bischof Lettmann hatte die Kirche damals konsekriert.

Drücker erinnerte auch an den verstorbenen Hans-Dieter Poll, ein Gemeindemitglied und Orgelbauer bei der früheren Firma Führer. Unter seiner Leitung war 1999 eine neue Orgel eingebaut worden, zudem habe er viele Arbeiten am Altar vorgenommen. Die Kirchengemeinde kenne keinen Stillstand, so Drücker. Vor fünf Jahren war die St.-Bonifatius-Gemeinde gemeinsam mit acht weiteren Kirchengemeinden zur großen St.-Willehad-Gemeinde verschmolzen. Mittlerweile sehe man, dass es ein Zusammenwachsen gebe, sagte Drücker. Er rief dazu auf, die Chronik weiterzuführen, damit die Geschichte auch für spätere Generationen erhalten bleibt.