Sande - Rund 800 Bäume erhitzen derzeit die Gemüter in Sande. Genauer gesagt, die Zukunft dieser Bäume. Denn auf einem 1,8 Hektar großen Gelände, das bislang als Erweiterungsgelände zum Friedhof der Kirchengemeinde gehörte, nun aber verkauft wurde, möchte die Volksbank Jever 24 Grundstücke erschließen und zur Bebauung verkaufen. Der Rat der Gemeinde Sande hat wie berichtet vor Kurzem einstimmig die Weichen für dieses Vorhaben gestellt, indem er der Änderung des Flächennutzungsplans und dem Entwurf des Bebauungsplans zustimmte. Schon in der Sitzung hatten Bürger angekündigt, sich das nicht einfach gefallen lassen zu wollen.
Inzwischen gibt es eine Bürgerinitiative, die in den vergangenen Tagen zahlreiche Gespräche geführt hat. Mit der Kirchengemeinde, verschiedenen Parteien und Anwohnern. Für Sonntagnachmittag hat sie interessierte Sander auf den Spielplatz am Bulsterdeich eingeladen. „Wir wollen dort miteinander ins Gespräch kommen, Kinder können zum Thema Wald malen und basteln. Wir wollen auch ausloten, wie viel Rückendeckung wir von Seiten der Sander in unserem Bemühen haben, das Wäldchen zu erhalten“, sagt Nicolai Dumke. Er ist einer der Initiatoren der Bürgerinitiative „Rettet das Sander Wäldchen“. Klimaschutz fange im Kleinen an, argumentiert die BI. Einen Wald inmitten des Ortskerns zu roden, passe nicht zu diesem Gedanken. Er sei CO2-Speicher, Lärmschutz, beherberge Flora und Fauna und sei die grüne Lunge des Ortes.
Unstrittig ist jedoch, dass das Wäldchen aktuell in keinem guten Zustand ist. Wer über den Friedhof hineinkommt, findet zunächst einmal jede Menge Strauchschnitt, der an den Rändern des Weges abgelegt wurde. Aber auch vertrocknete Blumen noch im Plastiktopf und die Reste von Gestecken und Kränzen wurden dort entsorgt.
Schon allein aus Sicherheitsgründen müssten Bäume gefällt werden. Wer genau hinschaut, findet einiges an Totholz in dem kleinen Forst. Solange das nicht Spaziergänger gefährde, habe das aber auch seine Berechtigung, meint zum Beispiel Conrad Sieg von der Ortsgruppe Sande des Nabu. „Totholz bietet Insekten einen Unterschlupf“, erklärt er. Überhaupt sei das Wäldchen wichtig für viele Tiere wie zum Beispiel den Eisvogel, Specht oder Sperber. Auch Fledermäuse halten sich demnach in dem Wald auf. Einige Anwohner wollen dort sogar Damwild gesehen haben. „Davon weiß ich nichts“, sagt hingegen Sieg. Allabendlich begibt sich ein hunderte Vögel zählender Saatkrähenschwarm in den Baumwipfeln zur Nachtruhe.
Zwar habe die BI Verständnis für die Kirche, denn die finanzielle Belastung durch das Gelände, das nicht mehr als Friedhof gebraucht werde, sei groß. Auch das Ansinnen der Gemeinde könne er ein Stück weit nachvollziehen, sagt Dumke, bezweifelt jedoch, dass ein so kleines Baugebiet den demografischen Wandel in Sande aufhalten werde.
Zusammen mit seinen Mitstreitern möchte er nach Alternativen suchen. Und das sei auch der klare Auftrag an Politik und Verwaltung. Es gebe Programme für die Förderung von Biodiversität. Die BI wünscht sich außerdem eine Bürgerbefragung. Auch ein Bürgerbegehren sei nicht ausgeschlossen.
Es gibt jedoch auch Stimmen in Sande, die der Meinung sind, dass die BI sich zwei Jahre zu spät gegründet hat. Jetzt sind die Verträge geschlossen. Dumke und seine Mitstreiter hoffen dennoch, die Politik noch umstimmen zu können.
