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Bundesfreiwilligendienst-Erfahrungen Nach der Schule erstmal in Friesland in die Berufswelt „schnuppern“

Annette Kellin

Sande - Das Abitur gerade in der Tasche und dann gleich durchstarten in Ausbildung oder Studium – für viele geht das zu schnell. Während der Schulzeit bleibt zu wenig Zeit, sich umfassend zu informieren und sich praktisch davon zu überzeugen, welcher Beruf zu einem passen könnte. So ging es auch Tessa Hasselhorn aus Schortens und Anna Störmer aus Jever. Als die beiden ihr Abschlusszeugnis in der IGS Friesland Nord in Schortens in der Hand hielten, stand noch lange nicht fest, wohin der Weg gehen sollte.

In Ruhe schauen, wo es beruflich hingehen soll

Beide entschieden sich für „ein Jahr zum Schnuppern, um in Ruhe zu gucken, wohin es gehen soll“, erzählt Tessa. „Lehramt für Grundschule war schon in der engeren Auswahl, aber ich war noch unsicher, ob es das wirklich werden soll.“

So kam es ihr gerade Recht, als jemand aus der Familie sie auf den Bundesfreiwilligendienst hinwies. Und dass es sogar einen Platz an einer Grundschule gab, kam wie gerufen. Seit Herbst 2021 ist Tessa an der Grundschule in Sande eingesetzt. Als sie ihrer Freundin Anna davon erzählte, war auch die Feuer und Flamme. Gemeinsam haben sie viele Erfahrungen sammeln können und sind sich bei der Berufswahl sicherer.

Mit im Team ist auch Anna-Lotta Kopke aus Sande. Sie hat am Mariengymnasium den theoretischen Teil der Fachhochschulreife abgelegt, den praktischen Teil absolviert sie durch das Jahr im Bundesfreiwilligendienst. „Dass ich mich im sozialen Bereich engagieren will und am liebsten mit Kindern arbeiten würde, wusste ich eigentlich schon früh. Hier habe ich die Bestätigung bekommen, dass das genau das Richtige für mich ist.“

Die 19-Jährige beginnt im Herbst mit dem Studium „Soziale Arbeit“, am liebsten in Wiesbaden oder Göttingen, die Attraktivität der Stadt sei ihr schon wichtig, bekennt sie.

Als Unterstützung der Lehrer unentbehrlich

Im Bundesfreiwilligendienst dürfen die jungen Frauen keinen eigenständigen Unterricht geben, sie sind zur Unterstützung der Lehrkräfte eingeteilt. Dafür sind sie unentbehrlich, unterstreicht Schulleiterin Susanne Tapken immer wieder. „Wir haben einen kleinen Stundenplan, da tragen die Lehrer ein, wo sie uns brauchen“, erzählt Anna. So ging es zur Ausbildung der Feinmotorik der Kinder zum Beispiel darum, kleine Boxen zu falten – „das kann ich heute noch im Schlaf“, erinnert sich Anna schmunzelnd an unzählige Bastelstücke, bei denen sie assistieren musste.

„Wir unterstützen auch Kinder beim Lesen, schneiden das Obst für die Pausen, helfen in den Arbeitsgemeinschaften im Ganztag – jeder Tag ist anders, immer ein kleines Abenteuer“, berichtet Tessa, die in der Grundschule viel Spaß hat.

Den Berufswunsch noch einmal überdenken

„Wirklich überrascht hat mich hier nichts, obwohl ich die Perspektive gewechselt habe und Schule aus einem neuen Blickwinkel sehe. Da wächst der Respekt für die Arbeit der Lehrer und man erfährt, dass Eltern mitunter ziemlich anstrengend sein können“, sagt sie. Sie habe nach dem Abi noch nicht gewusst, ob sie das wirklich könne – Kindern etwas beibringen. Jetzt ist sie schlauer: „Ich bekomme viel Bestätigung, dass ich das ganz gut mache“, freut sich die 19-Jährige. Sie wird im Herbst ins Lehramtsstudium starten, am liebsten an einem Studienort in der Nähe – „ich möchte mich weiterhin um mein Pferd kümmern können“.

Auch Anna liebt die Arbeit mit Kindern, „und ich glaube, dass ich das gut mache – aber ein Leben lang?“ Die 19-Jährige ist nachdenklich geworden, hat sich für Kommunikationswissenschaften entschieden. Fürs Studium darf es auch gerne weiter weg gehen – „einen eigenen Bereich aufbauen und richtig selbstständig werden“, darauf freut sie sich.

Unterm Strich sind alle drei zufrieden mit ihren Erfahrungen. „Wir haben viel gelernt, und eine gute Grundlage zur Entscheidungsfindung bekommen“, sind sie sich einig. Fazit: Alle sagen: „Ich würde es genau so wieder machen.“

Übrigens: Die Grundschule Sande sucht bereits neue Interessierte für den Bundesfreiwilligendienst im kommenden Schuljahr.

Was dazu noch wichtig ist

Der Bundesfreiwilligendienst gibt Gelegenheit, sich für das Allgemeinwohl einzusetzen. Arbeiten gibt es in erster Linie in sozialen, ökologischen und kulturellen Bereichen. Der Bundesfreiwilligendienst ist anders als zum Beispiel das Freiwillige Soziale Jahr auch für Menschen über 27 Jahre offen. Meist sind hier aber junge Leute nach ihrer Schulausbildung tätig, die die Zeit zur Orientierung nutzen. Gezahlt wird eine Aufwandsentschädigung. Die Bundesfreiwilligen, oft kurz Bufdis genannt, werden zudem pädagogisch begleitet, dazu finden etliche Seminare statt, bei denen sich die Bufdis unterschiedlicher Einrichtungen kennenlernen – während der Pandemie war das allerdings nur eingeschränkt möglich. Informationen unter: www.bundesfreiwilligendienst.de

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