Sande - Da steht nun ein nagelneues leuchtend rotes Einsatzfahrzeug in der Garage der Freiwilligen Feuerwehr in Sande und soll so schnell wie möglich zum ersten Einsatz ausrücken. Gar nicht so einfach in Corona-Zeiten, wenn es gilt, jeden Kontakt so gut wie möglich zu vermeiden. Denn das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug, kurz HLF, ist randvoll gepackt mit neuester Technik, und mit der müssen sich die Feuerwehrfrauen und -männer erst einmal vertraut machen. Und das geschieht normalerweise in engem Kontakt und direkt am Fahrzeug.
Neue Entwicklungen im Fahrzeug
Normalerweise – doch was ist derzeit schon normal? Die Feuerwehr-Übungsabende jedenfalls nicht. Und dennoch hat die Ortswehr Sande es erstaunlich schnell hinbekommen, das neue Fahrzeug in die Einsätze mitzunehmen. „Wir müssen ja das Löschen selbst und die Hilfeleistungen nicht neu lernen, das ist schon mal ein Vorteil. Aber beim neuen HLF 20 gibt es neben allem, was wir schon gut kennen, auch etliche neue Entwicklungen. Wir erleben da quasi einen Quantensprung der Technik“, sagt Jan Holst. Der Ortsbrandmeister ist stolz darauf, dass es auch unter Pandemie-Bedingungen gelungen ist, den Wagen bereits rund vier Wochen nach der Auslieferung einsatzbereit zu melden. Etliche zusätzliche Dienste waren dafür nötig, die alle in Kleinstgruppen mit nur einer Handvoll Leuten stattfanden, die ihr Wissen dann später weitergeben konnten.
Intensive Einarbeitung
Warum eine so intensive Einarbeitung nötig ist? Bei der Feuerwehr ist kein Fahrzeug ist wie das andere, das gibt es nicht von der Stange. Jeder Einsatzwagen ist eine Sonderanfertigung, das HLF 20 für Sande ist in einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe geplant worden, dafür hatte man sich rund drei Jahre Zeit gelassen, um wirklich an alles zu denken und sich immer wieder über neue Entwicklungen zu informieren. Zugführer Hartmut Struckmann hat hier maßgeblich mitgearbeitet. Dann wurde das Fahrzeug in Auftrag gegeben und bis zur Auslieferung verging noch mal ein Jahr.
Tragisch, dass Struckmann das nicht mehr miterlebte, er verstarb plötzlich. Alle Feuerwehrleute sind aber begeistert vom neuen Fahrzeug, das nun den Schriftzug: „Hartmuts Löschfahrzeug“ trägt. „Wir haben genau das bekommen, was wir in unseren Einsätzen brauchen“, sagt Holst. Und dann gilt es, alle Instrumente, alle Werkzeuge und was sonst noch so auf dem Wagen ist, quasi im Schlaf zu finden, damit im Einsatz keine wertvolle Zeit verloren geht.
Lernprozess geht immer weiter
Und dieser Lernprozess geht auch jetzt immer noch weiter. Unter Corona-Bedingungen eben: Die 55 Feuerwehrleute sind in mehrere Gruppen eingeteilt, so dass sie sich bei ihren Übungsabenden gar nicht begegnen, innerhalb der Gruppen ist Abstand das A und O. „Es sollen jegliche Berührungspunkte vermieden werden, denn wir wollen auf alle Fälle arbeitsfähig bleiben“, so Holst. Der Ortsbrandmeister, der beruflich Geschäftsführer einer Planungsgesellschaft für Windparkanlagen ist, freut sich, dass das neue Feuerwehrgebäude so viel Platz bietet, dass auch zwei Gruppen gleichzeitig arbeiten können, ohne sich zu begegnen.
Wenn es dann zum Einsatz kommt, müssen die Gruppeneinteilungen allerdings aufgegeben werden, denn auch so ist es schon schwierig genug, tagsüber ausreichend Personal heranzubekommen.
In vielen Betrieben werden die Feuerwehrleute nämlich nicht freigestellt, um im Einsatz vor Ort zu sein. „Zum Glück haben wir eine hohe Impfquote in der Ortswehr, das gibt ein Stück Sicherheit“, so Holst.
Kameradschaft kommt zu kurz
Was in den vergangenen beiden Jahren verloren gegangen ist, ist die Kameradschaft und das „Hand in Hand arbeiten“. In den wenigen Wochen, in denen es möglich war, gemeinsam Dienst zu tun, sei das Defizit nicht aufzufangen gewesen, sagt der Ortsbrandmeister. Dabei sei Kameradschaft so wichtig, denn in den Einsätzen müssen sich die Frauen und Männer blind aufeinander verlassen können. Deshalb seien die Gruppenführer und ihre Stellvertreter jetzt auch besonders gefordert, auf alternative Arten für das Gruppengefühl zu sorgen.
