Sande - „Wie soll das nur weitergehen. Seit März hatten wir keinen Tag mehr offiziell geöffnet und ein Ende der Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie ist nicht in Sicht. Klar ist nur, wir wollen irgendwann wieder aufmachen. Aber wann? In diesem Jahr wohl kaum mehr.“

Wer das sagt? Es ist Wolfgang Gerhard, allgemein bekannt als „Mozart“, Wirt der Sander Kultkneipe „Zur Scharfen Ecke“ an der Hauptstraße mitten im Dorf. Sein Lokal ist ein dörfliches Kommunikationszentrum. Hier trifft man sich mit anderen. Hier werden Gerüchte zur Wahrheit, egal, ob es sich um Neuigkeiten der Gemeindepolitik oder um Veränderungen im örtlichen Geschäfts- und Vereinsleben handelt. So war es immer – bis im März das Virus allem ein Ende setzte.

Zu den Stammgästen der „Scharfen Ecke“ gehörten stets die Sander Boßler, zwei Feuerwehr-Kegelclubs, eine Rheumagruppe, die Eisenbahn-Senioren „Kontakt 73“, je eine Kicker- und Dartgruppe, die Siedler bei ihren Spieleabenden und die Jungbauern aus Friesland. Zuletzt gab es noch drei Treffen des NABU, einen Preisskat und einer Kaffeetafel mit je maximal zehn Gästen.

Dreh- und Angelpunkt der „Ecke“ ist „Mozart“, der sich seinen Mitarbeiterinnen und Gästen gegenüber verantwortlich fühlt. Unzählige Freundschaften beruhen auf Gegenseitigkeit. Er ist für die Gäste da und die für ihn, wie deren spontane Spendenaktion bei der ersten Welle der Pandemie im Frühjahr bewies.

Damals erhielt er einmalig 5 000 Euro als staatliche Hilfe für Gewerbetreibende; doch seine Fixkosten belaufen sich mit Pacht und anderen Ausgaben monatlich auf 2 500 Euro. Für eine ab November vorgesehene Finanzhilfe des Bundes fehlten bisher noch die Antragsformulare und die Auszahlung werde deshalb wohl noch auf sich warten lassen, hieß es.

Vor vielen Jahren setzte sich „Mozart“ für die Gründung eines Kulturvereins in Sande ein. Als der Plan scheiterte, übernahm er als Einzelkämpfer die Veranstaltung zahlreicher musikalischer Events. Er baute im Biergarten eine Bühne, stellte zuletzt Heizstrahler und Halogenlampen auf und sorgte zuletzt mit einem Zelt für Gemütlichkeit. Peinlich genau wurde auf Abstände, Hygiene und das Tragen von Gesichtsmasken, von denen stets zusätzliche bereitgehalten wurden, geachtet. „Man hätte den Außenbereich offen lassen sollen, als am 1. November der Teil-Lockdown angeordnet wurde“, so der Wirt zur aktuellen Situation. Wegen der engen Räume konnten man nicht in die Gaststätte umziehen.

So blieb die Erinnerung an tolle Musikabende in den vergangenen Monaten. Da kamen der Shantychor Wilhelmshaven, Corinna May, die „Late-Night-Showband“, Skiffle-Band „Blues rash“, „Bone Silence“, der Hamburger „Georg auf Lieder“, Franz Schede mit den „Kowalskys“ und andere. Bis zu 100 Besucher waren erlaubt und fanden Einlass. Oft kamen Besucher des Hotels „Auerhahn“ vergeblich und hörten die Livemusik nur von der Straße aus. Vielen Künstlern, die gern in Sande aufgetreten wären, musste abgesagt werden.

„Auch die Gemeinde Sande, die in diesem Jahr auf ihre Cultura-Reihe verzichtet, weder Vorträge oder musikalischen Lesesommer veranstalten konnte, hat einen ‚Kulturtopf’, aus dem eine Unterstützung kommen könnte“, bedauert Mozart.“

Hoffnung darauf, bald wieder öffnen zu dürfen? „Eher nicht und die sonst übliche Silvesterparty mit 80 bis 100 Gästen werde ich auch bei einem zeitigen Ende der verordneten Schließung vorsorglich wohl besser ausfallen lassen.“ Ein kleiner Trost: Gäste schenkten ihm kürzlich zehn Masken, auf denen Bilder seiner Kneipe abgebildet sind.