Sande - Große Überraschung bei der CDU in Sande: Bei einer öffentlichen Mitgliederversammlung am Freitagabend wurde Hans-Joachim Vogt als Bürgermeisterkandidat aus den eigenen Reihen vorgestellt und gewählt. Der 65-Jährige hatte sich erst kurz zuvor für die Kandidatur entschieden, die er nach eigenen Worten aber reiflich überlegt habe.
Ende des vergangenen Jahres hatten Matthias Lührs als Vorsitzender der CDU Sande und seine Stellvertreterin Manuela Mohr eigentlich dem parteilosen Amtsinhaber Stephan Eiklenborg, der sich damals zur erneuten Kandidatur entschlossen hatte, die Unterstützung zugesichert. Was nun, gut zwei Monate vor der Kommunalwahl am 12. September, die Kehrtwende hin zu Vogt ausgelöst hat? „Wir schätzen die Arbeit von Herrn Eiklenborg sehr, aber mit einem Vertreter aus unseren eigenen Reihen werden wir bessere Chancen haben, die SPD-Mehrheit zu kippen“, sagte Lührs. Nach mehr als 60 Jahren SPD-Mehrheit in Sande sei das dringend an der Zeit.
Bei der Bürgermeisterwahl vor sieben Jahren hatte sich Eiklenborg, der damals zur SPD gehörte, um die Unterstützung seiner Partei bemüht, die war ihm aber verwehrt worden, man setzte auf den damaligen Amtsinhaber Josef Wesselmann. Daraufhin verließ Eiklenborg die SPD und setzte sich schlussendlich als parteiloser Einzelbewerber durch. Das aber nimmt man ihm heute noch krumm, das Verhältnis gilt als angespannt. Gleichwohl ist Eiklenborg von der Gesinnung her sozialdemokratisch geprägt.
Als sich jetzt Vogt als CDU-Eigengewächs bereitfand für das Amt zu kandidieren, kam den Christdemokraten das nur recht. Man habe Eiklenborg im Vorfeld über die Entwicklung informiert, erklärte Mohr bei der Versammlung, an der neun Personen im Publikum teilnahmen, zwei davon von der SPD. Wahlberechtigt waren fünf Personen, sie sprachen sich einstimmig für Vogt als Kandidaten aus.
Die Mitgliederversammlung nutzte auch Bundestagskandidatin Anne Janssen, um sich vorzustellen. „Gerade aus dem ländlichen Raum brauchen wir viel mehr laute Stimmen in Berlin, um nicht abgehängt zu werden“, sagte die 38-jährige Lehrerin und verheiratete Mutter von drei Kindern. Sie nannte die Gesundheitspolitik und die Unterstützung der Wirtschaft als wichtigste Themen, darüber hinaus sei es entscheidend, Jugendlichen mehr Informationen rund um eine Karriere im Handwerk zugänglich zu machen, um das weitere Ausbluten der ländlichen Regionen zu verhindern.
