Sande/Wilhelmshaven - Was die einen für einen Fortschritt halten und als richtigen Schritt in die Zukunft bezeichnen, der auch noch Arbeitsplätze bringen wird, sehen die anderen als ökologischen Skandal schlechthin: Die Rede ist vom geplanten LNG-Terminal in Wilhelmshaven. Die unterschiedlichen Ansichten wurden Donnerstagnachmittag bei einer ersten öffentlichen Information in Leiners Landhotel in Sande engagiert diskutiert – allerdings nur im kleinen Kreis.

Die Projektierungsgesellschaft LNG-Terminal Wilhelmshaven GmbH (LTW) hatte zur ersten Informations- und Dialogveranstaltung zum geplanten Anlandungsterminal für verflüssigtes Erdgas (LNG) sowie der dazugehörigen Gastransportleitung eingeladen. Die Besucher konnten sich an Tafeln über die Technik und das Vorhaben informieren. Für Einzelgespräche standen Mitarbeiter bereit, darunter auch Christian Wolf, Projektleiter bei Uniper, dem Energieunternehmen, das hinter dem geplanten LNG-Terminal steht, sowie Helmut Rohloff von der Open Grid Europe GmbH, die für Planung, Bau und Betrieb der Erdgasleitung verantwortlich zeichnet.

Informiert wurde einerseits über das schwimmende Terminal an sich, das im Voslapper Groden liegen soll und von der Optik her an ein Containerschiff mittlerer Größe erinnert. Hier soll verflüssigtes Gas bei minus 162 Grad per Schiff angelandet werden. Am Terminal wird das Produkt wieder in seinen ursprünglichen gasförmigen Zustand überführt, und muss dann zu einem bestehenden Ferngasnetz nach Etzel überführt werden. Dazu muss vom Voslapper Groden aus eine Gasleitung bis Etzel gebaut werden, Rohre aus mit Kunststoff ummanteltem Spezialstahl mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern müssen in eine Tiefe von gut einem Meter gebracht werden.

Insgesamt werden für das Projekt mehrere Hundert Millionen Euro investiert, die Inbetriebnahme ist für Ende 2022 vorgesehen. Bis es so weit ist, sind aber noch etliche Hürden zu nehmen. So ist bislang noch nicht einmal die Datensammlung komplett, die nötig ist, um in ein öffentliches Genehmigungsverfahren zu starten. Man hoffe, im zweiten Quartal 2020 so weit zu sein, sagte Sebastian Vogel von Uniper. Bis dahin soll es noch einen weiteren Termin für die Öffentlichkeit geben.

Das größte Interesse der Besucher bestand am Donnerstag nämlich an dem detaillierten Trassenverlauf der Gasleitung, um beurteilen zu können, wer in welcher Weise betroffen ist. Weil aber noch nicht alle Daten beisammen sind, unter anderen die aus der Umweltverträglichkeitsprüfung, konnte der noch nicht erstellt werden. So war die Enttäuschung groß. Unter anderem zeigte sich eine Gruppe aus dem Bereich Sillenstede-Sengwarden sehr unzufrieden. Darunter ein Landwirt, der schon von der neuen Bahntrasse große Nachteile erwartet, weil das dort geplante Galerie-Bauwerk mit der offenen Seite direkt an seine Ländereien grenzt. „Es sieht noch so aus, als ob wir von der neuen Gasleitung nicht betroffen sind – aber warten wir mal ab“, sagte er.

Ein anderer Besucher zeigte sich sehr interessiert an dem Vorhaben an sich und fand es positiv, dass sich in Wilhelmshaven etwas bewege. Das sah ein weiterer ganz anders: Es bestehe kein Anlass, die Gasversorgung auszubauen, mit Fracking-Gas schon gar nicht. Was in Deutschland aus gutem Grund verboten sei, werde nun aus anderen Ländern hierher geholt. „Ökologisch eine mittlere Katastrophe“, so der Besucher. Das weisen die Mitarbeiter von sich. Gas sei für die Energiewende überaus wichtig, denn „Gas wird immer grüner“, so Rohloff. Und: Heute erbaute Leitungen werde man später wohl auch für Wasserstoff nutzen können.