SANDERBUSCH - Manchmal muss man auch den Geburtstagskaffee kalt werden und die Ehrengäste stehen lassen: Mitten in der Feierstunde zum 25-jährigen Bestehen von Rettungshubschrauber „Christoph 26“ am Mittwochvormittag in Sanderbusch ereilte die Mannschaft ein Notruf von der Insel. Und während in der Wartungshalle noch die Festreden gehalten werden, dringt von draußen ein helles Pfeifen und Dröhnen der Triebwerke hinein, und schon sind Pilot, Co-Pilot, Notarzt und Rettungsassistent auf dem Weg nach Wangerooge.
„Das ist ein Lärm, den ich sehr begrüße“, sagte Frieslands Landrat Sven Ambrosy ins Getöse hinein. „Denn dann wissen die Menschen, die in Not sind, dass ihnen bald geholfen wird.“
Das eigentliche Feier-Datum des Rettungshubschraubers ist zwar schon einige Wochen her (die NWZ berichtete), aber aus organisatorischen Gründen wurde das Silberjubiläum des in Sanderbusch stationierten „gelben Engels“ erst jetzt gefeiert. In seiner Rede erinnerte neben Ambrosy auch der Geschäftsführer der ADAC Luftrettung, Friedrich Rehkopf, an die Anfänge der Luftrettung in Sande. Denn die liegt mit dem SAR-Hubschrauber der Bundeswehr und ab 1979 mit „Christopher Friesland“ der SOS Flugrettung schon deutlich länger zurück als mit dem im Februar 1983 von der ADAC Luftrettung in Dienst gestellten
„Christoph 26“.
Ministerialrat Dr. Uwe Lühmann vom Niedersächsischen Innenministerium ging vor allem auf die notärztliche Versorgung der Inseln ein, deren Bevölkerungszahlen sich in der Urlaubssaison vervielfachen. „Christoph 26“ ist ein unerlässlicher Garant für schnelle Hilfe auf den Inseln.
Ambrosy erklärte, dass es nach EU-Vorgaben zu Lärm-Emissionswerten gemeinsam mit der Gemeinde Sande eine Anpassung des Landeplatzes beim Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch gegeben habe und dass der Platz nun „rechtlich zukunftssicher“ sei.
Friedrich Rehkopf schließlich nannte einige Zahlen: So sei der Rettungshubschrauber zu 96 Prozent seiner Einsätze in Niedersachsen unterwegs. Bei fast jedem dritten Einsatz sei Sanderbusch das Zielkrankenhaus. Die Mannschaften von „Christoph 26“ haben seit 1983 mehr als 28 000 Einsätze geflogen – in diesem Jahr bereits mehr als 700.
Immer öfter werde der Rettunghubschrauber nachts alarmiert, so Rehkopf. Technisch wäre es heute sogar möglich, dass die Piloten in der Dunkelheit auf unbekannten Wiesen, Straßen oder Äckern landeten. Die dafür notwendigen Nachtsichtgeräte wie Restlichtverstärkerbrillen, über die u. a. die Bundeswehr verfüge, sind aber Kriegsgerät und unterliegen dem Waffenrecht. „Das ist doch paradox“, so Rehkopf, „die Technik ist da. Sie erlaubt aber bisher nur die Vernichtung von Menschenleben und nicht die Rettung.“
