Sanderbusch - Nach rund einem Jahr Bauzeit hat die ADAC Luftrettung gGmbH am Freitag die neue Hubschrauberstation am Nordwest-Krankenhaus (NWK) in Sanderbusch eingeweiht. Vier Millionen Euro hat das Unternehmen in den Neubau investiert.
„Sanderbusch ist jetzt die modernste Station der ADAC Luftrettung“, sagte Frédéric Bruder. Der Geschäftsführer des gemeinnützigen GmbH war eigens aus München angereist und begrüßte die Gäste mit „Grüß Gott“.
ADAC-Luftrettungsstation in Sanderbusch eine der anspruchsvollsten
Von den 37 ADAC-Luftrettungsstationen sei Sanderbusch wohl die anspruchsvollste, weil auch Nachtflugbetrieb, Seilwinden-Rettung und Flüge über See zum Einsatzspektrum gehörten, sagte Bruder. Er sprach allen Beteiligten und vor allem den Crews seinen Dank dafür aus, dass sie die Widrigkeiten der Bauphase gemeinsam gemeistert hätten.
Bruder erinnerte auch an die Anfänge der Luftrettung, die 1970 vom ADAC überhaupt erst begründet wurde – ohne staatlichen Auftrag, ohne staatliche Gelder. „Vieles beruht auf Privatinitiative“, sagte Bruder, aber „heute werden Aufträge von der Politik ausgeschrieben wie die Pommesbude am Freibad“. Viele trauten sich nicht mehr zu, Neues zu wagen, weil sie fürchteten, Aufträge zu verlieren. Die Politik müsse darüber nachdenken, ob das der richtige Kurs sei. In Sanderbusch sei es anders gelaufen, sagte Bruder: Das Projekt sei in Abstimmung aller Beteiligten umgesetzt worden.
Die alte Station aus den Anfängen der Luftrettung in Sanderbusch war zu klein und entsprach nicht mehr heutigen Anforderungen. Sie wurde abgerissen. Für die Bauphase sind der Rettungshubschrauber „Christoph 26“ und die Crews zum Jade-Weser-Airport in Mariensiel umgezogen.
Der zweigeschossige Neubau mit 1080 Quadratmetern inklusive Hangar für „Christoph 26“ umfasst Lagerräume für medizinische und technische Bedarfsartikel sowie Büro-, Ruhe- und Besprechungsräume, denn die Station dient auch Ausbildungszwecken.
Dr. Werner Wodrich: „Neues Kapitel einer Erfolgsgeschichte“
Landrat Sven Ambrosy lobte die Kooperation aller Beteiligten, zu denen neben dem ADAC auch der Landkreis als Träger des NWK und des Rettungsdienstes und nicht zuletzt das Land gehören – Hannover ist Träger der Rettungsstation.
NWK-Geschäftsführer Dr. Werner Wodrich sprach von einem „neuen Kapitel einer Erfolgsgeschichte“, denn seit 1979 gebe es in Sanderbusch die Luftrettung, seit 1983 in Trägerschäft des ADAC. Und wie seine Vorredner wies Wodrich darauf hin, dass der Standort hervorragend gewählt ist: Von Sanderbusch ist der gesamte Küstenbereich zwischen den Niederlanden und Cuxhaven in kürzester Zeit erreichbar – und vor allem auch die Inseln.
Helgoland und die Ostfriesischen Inseln machten etwa ein Drittel aller Einsätze aus, sagte der Stationsleiter Dirk Hessenius. Nicht nur die Einwohner, sondern auch die Urlaubsgäste profitierten von „Christoph 26“. Bruder formulierte es so: „Viele Menschen verdanken ,Christoph 26‘ ihre Gesundheit oder ihr Leben.“
Vom Alarm bis zum Start brauchen die Crews zwei Minuten
„Christoph 26“ – ein Hubschrauber des Typs A 145 von Airbus – fliegt 1300 bis 1500 Einsätze pro Jahr. 2021 waren es 1361. In diesem Jahr hat der Rettungshubschrauber, der rund um die Uhr an sieben Tage die Woche in Bereitschaft ist, bereits die 1000er-Marke „geknackt“. Seit 1983 waren es bereits mehr als 50 000 Rettungsflüge. Leiter der Rettungsstation ist der Pilot Dirk Hessenius. Insgesamt gehören mehr als 40 Männer und Frauen zur Station: sieben Piloten, drei Co-Piloten (alle vom ADAC), 13 Notfallsanitäter (vom Rettungsdienst Friesland) sowie 19 Notärzte. Die Ärzte werden vom Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch und vom Bundeswehr-Krankenhaus Westerstede im Verhältnis zwei Drittel zu einem Drittel gestellt. Von der Alarmierung bis zum Abheben brauchen die Crews zwei Minuten. Bei schlechter Witterung dauert es etwas länger, weil der Hubschrauber dann im Hangar steht. Mit einer elektrisch betriebenen Plattform wird „Christoph 26“ aufs Vorfeld gerollt. Das Vorfeld wurde ebenfalls erneuert – und mit einer Bodenheizung ausgestattet, damit „Christoph 26“ auch bei Schnee und Eis problemlos starten kann. Die ADAC Luftrettung betreibt 37 Stationen mit mehr als 50 Hubschraubern. Fünf Maschinen verfügen über eine Seilwinde für Einsätze im unwegsamen Gelände oder auf See – auch „Christoph 26“.
