Bollingen - „Gerade heute morgen erst hat uns ein Busfahrer nicht geholfen, die Rampe herunter zu klappen“, sagen am Donnerstag die Bollinger Johannes Erbo und Stephanie Jansen. Die beiden sind 100- und 70-prozentig behindert und auf den Bus angewiesen. „Es ist ziemlich schwer, die Rampe herunter zu bekommen“, fügt Jansen hinzu.

„Es ist jetzt schon ein paar Mal zu unterschiedlichen Uhrzeiten passiert, dass der Busfahrer nicht nach hinten gekommen ist, um die Rampe herunter zu klappen. Andere Fahrgäste mussten dann helfen“, berichtet der im Rollstuhl sitzende 42-jährige Erbo. „Wir bekommen dann die Ausrede zu hören, sie hätten Rückenschmerzen oder wären angeblich nicht versichert, wenn sie aussteigen“, meint die 27-jährige Jansen.

Bevor sie zum Einkaufen, Arzt oder zu Verwandten wollen, müssten sie tags zuvor einen Bus mit Rampe bei Hanekamp Busreisen GmbH, einer Tochtergesellschaft der Weser-Ems Busverkehr GmbH, bestellen, erklärt der gebürtige Strücklinger. „Es ist schon drei oder vier Mal vorgekommen, dass trotzdem ein Bus mit Treppe kam“, so Jansen.

Das Paar aus Bollingen benutzt die Weser-Ems-Buslinien S90 und 900. „Die S90er haben alle eine Rampe, aber die 900er nicht“, stellt die aus Elisabethfehn stammende 27-Jährige fest. Manchmal seien die Rampen auch kaputt. Wenn es Probleme gäbe, würden sie auf Kosten des Busunternehmens mit einem Taxi gefahren werden, so Jansen.

„Wir haben uns schon mehrmals bei Hanekamp beschwert“, sagt sie. Natürlich gebe es auch „vernünftige“, freundliche Fahrer, die von sich aus nach hinten kommen würden und die Rampe betätigen, meint Erbo, „doch die kann ich an einer Hand abzählen“. Der Wunsch der beiden Bollinger: Mehr Hilfe von den Busfahrern und die Ausstattung aller Busse mit einer Rampe, „damit man auch mal spontan weg kann“, so Jansen. „Manche Rampen sind auch mit Sand oder Dreck verschmiert und lassen sich nur schwer öffnen.“

Die Deutsche Bahn AG, die Muttergesellschaft der Weser-Ems Busverkehr GmbH, hat zugesichert, die Umstände aufzuklären. Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis erklärte auf Nachfrage der NWZ , dass die Aufklärung und die Recherchen liefen. „Die beteiligten Mitarbeiter müssen zu den Vorwürfen befragt werden“, so Meyer-Lovis.

Das Paar ist trotzdem dankbar, die Bushaltestelle quasi direkt vor der Haustür zu haben. „Es sind nur zwei Minuten Fußweg“, so Jansen.