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NWZonline.de Region

Wirtschaft: Schleichender Niedergang eines Werkes

13.11.2012

Kreyenbrück Das Ende scheint nah: Das Kreyenbrücker Werk des italienischen Weltkonzerns ACC befindet sich im Insolvenzverfahren. Ob es für die noch 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergeht, die hier seit 2009 „allein“ in den einst für knapp 4000 Arbeiter ausgelegten Werkhallen Ölbrennermotoren fertigen, ist unsicher. Der Insolvenzverwalter sucht zwar einen Investor für die Produktion, will aber die Weichen so stellen, dass die künftigen Beschäftigten unter anderen (will sagen: schlechteren) Bedingungen arbeiten. Möglicherweise wird der Industriebetrieb, der einst nicht nur den Stadtteil prägte, auch ganz geschlossen. Investoren schauen ohnehin schon begehrlich auf die 60 000 Quadratmeter in nicht wirklich innenstadtferner Lage.

Eigentlich bangt man in der Stadt schon seit über 30 Jahren um das 1947 von der AEG gegründete Kleinmotorenwerk. 1975 wurden zum ersten Mal in großem Umfang Stellen abgebaut – etwa 250 der damals über 3500 Arbeitsplätze. Hauptprodukte sind Motoren für Waschmaschinen.

Das Ende der AEG-Ära kommt 1990. Das Werk wird von einer Holding übernommen, die zu je 50 Prozent Daimler-Benz und dem schwedischen Hausgeräte-Hersteller Electrolux gehört. An den Außenwänden prangt fortan das Signet „FHP-Motors“.

Auch das ist nicht von Dauer. Die Holding zerbricht bereits 1996. Damals zählte das Werk immerhin noch 1200 Beschäftigte.

Electrolux stößt 2002 das Werk an die Sole-Gruppe (heute ACC) ab. Offiziellen Zahlen zufolge erhielt der Konzern dafür nur 700 000 Euro. Gleichzeitig kauft ACC Werke in Pordenone (Italien) und Bercel (Ungarn), die in einer Kooperation mit Oldenburg Europas führenden Lieferanten von Motoren für Hausgeräte bilden.

Doch die Größe allein sorgt nicht für Dauer. Im Dezember 2005 kündigt ACC harte Einschnitte in Oldenburg an – damals hieß es, 180 der schon damals nur noch 424 Mitarbeiter sollen gehen.

2007 kommt dann das Ende für die Waschmaschinen-Motorenfertigung. Alle Konzepte und Vorschläge des Betriebsrats für eine rentable Produktion wurden damals von Wirtschaftsprüfern zwar für gut befunden. Doch sie haben den italienischen Mutterkonzern nicht davon abbringen können, das Werk bis auf die Fertigung von Pumpenmotoren für Ölbrenner abzuwickeln. Bis April 2009 wird die Zahl der Beschäftigten von 224 auf 70 sinken. Damals sagte der Betriebsratsvorsitzende Alfred von Daak der NWZ : „Als im Mai die Verträge zur Beschäftigungssicherung bis 2008 vom Konzern gebrochen wurden, da war uns klar: Hier geht’s nicht weiter.“

Für die Verhandlungen mit der Konzernleitung gab es für von Daak danach nur einen Ansatz: Für die Mitarbeiter, die gehen, die bestmöglichen Bedingungen herauszuholen. Damals wechselten viele Beschäftigte in die „Transfergesellschaft Klingenbergplatz“. Weil die erworbene Qualifikation als Motoranlagenbauer nicht als Beruf galt (und in der Region auch kaum vorkommt), wurden die Mitarbeiter umgeschult.

Betroffen waren damals auch 400 Mitarbeiter von Behindertenwerkstätten in der Region, die als Zulieferer arbeiteten. Auch 50 Schwerbehinderte arbeiteten an einer mit Mitteln des Integrationsamtes eingerichteten, hoch modernen Fertigungsstraße. Auch die wurde demontiert und nach Ungarn gebracht.

Die Italiener von ACC realisierten die von Electrolux 1999 formulierte Strategie, die Motorenproduktion in Billiglohnländer zu verlegen. Auch nach China sollten Anlagen aus Oldenburg gehen.

Thorsten Kuchta stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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