Roffhausen - Sie kamen in Scharen, viele von ihnen trugen kaum mehr bei sich als das, was sie am Leib hatten. Am 14. Juni 1946 erreichte ein erster Transport Heimatvertriebener, die meisten von ihnen aus Schlesien, Roffhausen. Die meisten der Kriegsflüchtlinge sind Katholiken, doch ein Gotteshaus gibt es für sie in der Diaspora Frieslands nicht. Schnell steigt die Zahl der Gläubigen – und bald wird für sie eine Kapelle in einer Baracke eingerichtet.

Im August 1946 findet der erste katholische Gottesdienst in Roffhausen statt, am 5. Juli 1953 wird der Grundstein für die St. Josef-Kirche gelegt und am 20. Dezember Jahres wird die Kirche eingeweiht. An diesem Sonnabend, 23. November, 19 Uhr, gut 60 Jahre später, wird mit einem letzten Gottesdienst Abschied genommen und das Aus für St. Josef besiegelt.

Profanierung oder auch Entwidmung lauten dafür die korrekten theologischen Begriffe. Nach rund anderthalb Stunden ist die Kirche dann ein Haus wie jedes andere. Wie es in Roffhausen weitergeht, ist unklar.

Angestrebt wird eine Nachnutzung etwa als Begegnungsstätte – so will es die Wilhelmshavener St. Willehad-Gemeinde, zu der St. Josef gehört. „Sicher ist aber noch nichts“, sagt Dechant Andreas Bolten, der am Sonnabend die Entweihung mit vornehmen wird.

Bolten war seit 2008 Pfarrer in St. Josef. Bernhard Jongebloed lebt seit 1972 in Roffhausen – und ist seitdem in der Gemeinde aktiv. „Die ersten Flüchtlinge wurden nach dem Krieg als Eindringlinge betrachtet“, blickt Jongebloed auf die ersten Jahre der Gemeinde zurück. Erst mit der Zeit entspannte sich das Verhältnis von Protestanten und Katholiken.

1951 ging aus der Barackenansammlung die Olympia-Siedlung hervor, benannt nach dem Schreibmaschinenhersteller, der hier bis 1994 größter Arbeitgeber war.

Was heute gilt, hatte offenbar auch schon vor 60 Jahren Bestand – ohne ehrenamtliches Engagement ist vieles in der Gemeinde nicht möglich. „In der Anfangszeit haben viele nach ihrer Schicht beim Bau der Kirche geholfen“, erzählt Jongebloed.

Am 20. Dezember 1953 eröffnet der Offizialat Heinrich Grafenhorst die St. Josef-Kirche. 1956 wird das anliegende Pfarrhaus fertiggestellt, Ende 1957 das Pfarrheim. Die kleine Gemeinde wird zu einem wichtigen Bestandteil des Ortslebens – auch wegen des Kindergartens, der bereits 1953 entsteht.

Die Kirchenweihe folgt erst am 29. Oktober 1977 durch den taiwanesischen Bischof Josef Ti Kang. Den Kontakt hatte Pfarrer Bernhard Thiel hergestellt, er war von 1970 bis 2008 in Roffhausen aktiv. „Er hat das Gemeindeleben stark geprägt“, sagt Bolten.

Nach über 60 Jahren schließen sich in St. Josef an diesem Sonnabend nun die Pforten – wahrscheinlich für immer. Am Freitag nahmen auch die Kinder der katholischen Kindertagesstätte neben der Kirche Abschied. Lieder, Bibelgeschichten, Gedichte und Fingerspiele standen auf dem Programm. Aus Rücksicht auf die Kinder wollte man den Abschied fröhlich gestalten.