Schortens - War das jetzt das endgültige Aus für das Freizeitbad Aqua Toll? Wie berichtet, geht nach den im Ausschuss vorgestellten Spar-Varianten nun auch die SPD/FDP-Gruppe auf Distanz zur Entscheidung, das Bad zu erhalten. Die Zukunft hängt am seidenen Faden.
Diese Entwicklung sehen nicht nur Vertreter von Vereinen und der DLRG mit großer Sorge, sondern auch viele Bürger – Rainer Neumann zum Beispiel. Er sei Neubürger in Schortens, habe sich nicht zuletzt wegen des schönen Schwimmbads für Schortens als Wohnort entschieden, nutze Bad und Fitnessstudio regelmäßig und habe nun miterlebt, wie seit zwei Jahren gerechnet und geplant, verworfen, neu geplant und gerechnet wird, sagt er.
Teil der Daseinsvorsorge
Neumann erinnerte die SPD an ihre Worte von vor einem halben Jahr, wonach das Bad ein wichtiger Teil der Daseinsvorsorge sei, und die FDP daran, dass man nicht nur Sparziele im Blick haben dürfe, sondern den Kindern die Möglichkeit geben müsse, schwimmen zu lernen. „Wenn ich mir das hier heute anhöre, bin ich total frustriert“, sagte Neumann am Dienstagabend nach dem Freizeitbad-Ausschuss. Das Freizeitbad müsse für Schulen, Vereine und DLRG erhalten bleiben.
Für den DLRG-Ortsverband Schortens-Jever ergriff Eckhard Kaufeld das Wort: „Die Frage darf nicht lauten, ob wir uns ein Bad leisten können, sondern ob wir uns ein Bad leisten müssen.“ Er wisse nicht, wo die DLRG-Ortsgruppe sonst trainieren könnte und appellierte an die Ratsvertreter, das Schwimmbad zu erhalten. „Wir brauchen keine Sauna und keine Sonnenterrasse, sondern nur ein Becken voll Wasser.“
Peter Bünting, ebenfalls von der DLRG, erinnerte daran, dass Wittmund sein Schwimmbad an der Finkenburgschule schließt. Es müsse doch möglich sein, zusammen mit den Nachbarn ein Bad zu erhalten, in dem die Kinder schwimmen lernen und Vereine und DLRG trainieren können, so Bünting.
Kommunale Partnerschaften, die Beteiligung privater Investoren, Unterstützung vom Landkreis – das sei alles schon versucht worden, erklärte Udo Borkenstein (SPD). Fakt sei, dass Schortens das Geld für Sanierung und Umbau nahezu allein aufbringen müsse. Was für die sechs Millionen Euro geboten werde – ein einfaches Sportbad ohne Attraktionen und Chance, Eintrittsgelder zu erwirtschaften – sei zu wenig und könne sich die Stadt nicht leisten.
Zweifel an Sinn
Das Problem seien auch nicht die sechs Millionen Euro Investitionskosten, sondern die Wirtschaftlichkeit der Investition, sagte Axel Homfeldt (CDU): „Und die sehe ich nicht.“ Tatsache sei, dass das Aqua Toll, viele Jahre lang Alleinstellungsmerkmal, sich einer veränderten Wettbewerbssituation mit neuen Bädern in Aurich, Oldenburg, Wilhelmshaven und Carolinensiel stellen müsse – und verliert.
Wie berichtet, hatten Mängel an der Dachkonstruktion vor inzwischen zweieinhalb Jahren zur Schließung des Erlebnisteils geführt. Folge waren rund 90 000 weniger Gäste im Jahr. Die Planungen und Berechnungen, zumindest einen Teil dieser Besucher zurückzugewinnen, gingen lange von einem Bad aus, das mehr bietet „als ein Sportbecken und einen kleinen Schwitzkasten“, der nun wegen der Kosten noch übrig geblieben sei, so Homfeldt.
Ob das Bad doch noch die Kurve kriegt, und erhalten werden kann, soll bis zum Jahresende endgültig feststehen. Denn auch eine Schließung kostet: Zum einen eine Vertragsstrafe an das Fitnessstudio Actic Fitness, das erst vor zwei Jahren am Aqua Toll rund 900 000 Euro investiert hat. Zum anderen für Abbruch und Entsorgung.
