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Traditionslokal in Grafschaft Das Kaffeehaus Barkel – Ein Pionier für Nachhaltigkeit

Grafschaft - Das Ausflugslokal „Kaffeehaus Barkel“ von 1879 wurde vor einem halben Jahrhundert nach kurzer Umbauphase von Hans und Elisabeth Patschull und ihrer Tochter Jutta wiedereröffnet. Die Familie baute vier Kegelbahnen und einen Veranstaltungssaal und führte das Traditionslokal als Gesellschaftshaus im Familienbetrieb bis 1991.

Als die Eltern aus Altersgründen nicht mehr mitarbeiten konnten, schloss Tochter Jutta zusammen mit ihrem Ehemann Reinhard nach 112 Jahren gastronomischer Nutzung dieses Kapitel der Geschichte des Hauses ab und führte es in den vergangenen 30 Jahren als Not-for-Profit-Unternehmen in Form eines Bildungsprojekts zur Förderung des Fairen Handels und der Ökologie weiter.

Was 1991 unter dem neuen Namen „Fairhandelshaus Mercado Mundial“ als (inzwischen deutschlandweit größter) Weltladen und Fairtrade-Verteiler für andere Weltläden begann, hat sich zu einem Bio- und Fair-Kaufhaus mit 450 Quadratmetern Verkaufsfläche entwickelt, heißt es in einem Bericht von Jutta und Reinhard Hartwig.

Unter dem Motto „Wir haben alles, was Sie brauchen. Und was wir nicht haben, brauchen Sie nicht“, gibt es alles zu kaufen, was Menschen zum Leben brauchen, in ethisch und ökologisch einwandfreier Qualität.

Besucher aus ganz Deutschland

Besucher kommen aus ganz Deutschland und verbringen mitunter auch ihren Urlaub im Ferienhaus Piraten-Nest auf dem 6000 Quadratmeter großen Anwesen, wo es auch Gemüseanbau und Tierhaltung gibt, nachdem weitere Grundstücke hinzugekauft wurden. Für mobile Kurz-Urlauber stehen Wohnmobil-Stellplätze zur Verfügung.

Der ökologisch bewirtschaftete „Hof Sonnenblume“ mit naturgemäß gehaltenen Hühnern, Enten und Gänsen ist außerschulischer Lernort.

„Wir haben hier 20 Jahre lang kaum Geld verdient, aber zum Leben hat’s gereicht“, sagt Reinhard Hartwig. „Mahatma Ghandi hat es so ausgedrückt: Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich, und dann gewinnst du.“ Reinhard Hartwig: „Wir sind in der Gewinner-Phase angekommen. Der gesellschaftlichen Entwicklung waren wir immer kompromisslos voraus mit unserem Tun. Jetzt kommt die globale Entwicklung unserer Zielsetzung immer näher, was auch am wirtschaftlichen Erfolg des Projekts messbar ist. Dennoch messen wir unseren Erfolg nicht am Umsatz oder anhand einer Gewinn- und Verlustrechnung. Unsere Aufgabe besteht aus unserem Beitrag zur Gesellschaft bei der Förderung des Gemeinwohls.“

Aufgebaut haben die Hartwigs unter anderem eine Kaffee-Rösterei, in der ausschließlich fairgehandelter und ökologisch nachhaltig angebauter Rohkaffee veredelt wird (wobei die teure Kaffee-Röstmaschine vor 25 Jahren ursprünglich nur für Bildungszwecke angeschafft wurde), eine Unverpackt-Abteilung im Bio- und Hofladen sowie eine hauseigene Manufaktur für vegane Lebensmittel wie „Vurst“ und „Keese“, inklusive einer veganen Konditorei.

“Die Zukunft wird vegan sein oder nicht stattfinden“

„Die Zeit ist reif für grundlegende Veränderungen bei unserer Lebensweise, im Umgang mit Konsum und Ernährung, der Umwelt, dem Klima, der Gesundheit, den tierischen Mitgeschöpfen, unseren Nachkommen. Die Zukunft wird vegan sein oder nicht stattfinden,“ sagt Jutta Hartwig, die inzwischen ihre persönlich hergestellten veganen Lebensmittel europaweit versendet.

Nicht ganz sicher sind sich die Hartwigs, ob es für Veränderungen bei unserer Lebensweise nicht schon zu spät ist. Deshalb setzen die Smartphone-Verweigerer persönlich nicht auf eine digitale Zukunft, sondern auf Überlebens-Strategien. Für den „Worst case“ sind sie auf ihrem Anwesen sicher bei Stromausfall, Heizungsausfall, Lebensmittelknappheit und ohne Leitungswasser. „Wir haben uns vorbereitet, auch wenn wir einen Katastrophenfall hoffentlich nicht mehr erleben werden. Im Alter von knapp 70 Jahren drehen sich unsere Gedanken weniger um unsere eigene Zukunft als um die Zukunft unserer Nachfolger, die eines Tages unser Lebenswerk weiterführen werden. Für die haben wir vorgesorgt. Jetzt kommt es darauf an, dass uns die richtigen Menschen finden,“ beschreibt Reinhard Hartwig.

In der Vorstellung der Nachhaltigkeitspioniere sind auch alternative Lebensweisen in Form eines Mehrgenerationen-Wohn- und Arbeits-Projektes auf dem Fairhandelshaus-Anwesen denkbar. Drei Wohnungen stehen dafür zur Verfügung.

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