Heidmühle/Friesland - „Wir werden kämpfen.“ Mit diesen Worten schwor Mittwochvormittag Jürgen Jakobs seine Kollegen aus dem öffentlichen Dienst auf harte Wochen und Verhandlungen ein. Der Verdi-Gewerkschaftssekretär hieß zum Warnstreik vor dem Heidmühler Rathaus Kollegen aus Kitas und Verwaltungen aus Schortens, Sande, Wilhelmshaven, vom Marinearsenal und vom Landkreis Friesland willkommen. Sie machten zwischendurch Krach vorm Rathaus, das war gewollt. „Wir wollen, dass unsere Forderungen ernst genommen werden“, rief Jakobs ins Megafon. Er und andere Redner bezeichneten das derzeitige Angebot der kommunalen Arbeitgeber „als eine Frechheit“.
Die Demonstration wurde ganz dezent von vier Polizisten beobachtet, Gewerkschaftssekretär André Belger wies per Megafon mehrmals darauf hin, dass die Kollegen den Mindestabstand einzuhalten hätten. „Selbst wenn man verheiratet ist, muss man auf einer solchen Kundgebung 1,50 Meter Abstand halten“, ergänzte Jakobs. Und wer nicht demonstrieren wollte, der konnte auch am Warnstreik auf dem heimischen Sofa teilnehmen, eine neue Form des Widerstands wegen Corona.
„Schlag ins Gesicht“
Jakobs bezeichnete das Ergebnis der Verhandlungsrunde als „einen Schlag ins Gesicht für alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst“. Der öffentliche Dienst sei über Jahre hinweg totgespart worden, „jetzt ist Schluss“, ergänzte André Belger. „Irgendwann reicht es mal.“
Marion Homfeldt, die zwei Kindergärten in der Gemeinde Sande leitet, arbeitet seit 38 Jahren im öffentlichen Dienst. „Wir sind viel zu zahm“, sagte sie und fügte hinzu: „ Wir werden verarscht.“ Es würden immer mehr Aufgaben auf die Schultern der Mitarbeiter gepackt. Sie sprach von „einer Katastrophe, was im öffentlichen Dienst passiert“. Die Politiker säßen warm und trocken, kritisierte Homfeldt, die einfach erwartet, dass sich die Leistung der Mitarbeiter auch einmal auf dem Gehaltszettel widerspiegelt. Auch der ehemalige Personalratsvorsitzende des Landkreises Friesland, Wilfried Wolken, sprach. Das Angebot der Arbeitgeber sei „absolut enttäuschend“. Es sei „ein Schlag ins Gesicht“. Schortens’ Personalratsvorsitzender Karsten Töpel bezeichnete das Angebot „als eine absolute Frechheit“. Etta Kelterborn, Verdi-Delegierte, sagte, dass die Kollegen „fassungslos und sehr enttäuscht“ seien. Besonders ärgere es die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, dass die kommunalen Arbeitgeber an den Stellenbeschreibungen und somit an den Eingruppierungen arbeiteten, um das Gehalt über diesen Umweg zu senken.
Der Tenor der Redner war: Gute Arbeit müsse auch wertgeschätzt und entsprechend entlohnt werden. Vor dem Heidmühler Rathaus trafen sich die Verdi-Mitglieder zum Warnstreik, weil Schortens’ Bürgermeister Gerhard Böhling als Präsidiumsmitglied der kommunalen Arbeitgeber auch Einfluss auf das Verhandlungsergebnis nehmen könne und müsse, wie es die Gewerkschafter sahen. „Wir halten den Laden am Laufen, das muss wertgeschätzt werden.“
