Roffhausen/Schortens - Aus und vorbei: Ab diesen Freitag werden keine Erstimpfungen mehr im Impfzentrum Roffhausen angeboten. Den letzten ersten Pikser gibt es um 17 Uhr, erklärte gestern Jonathan Fischer, Teamleiter der Johanniter Friesland. Impfwillige müssen von nun an zum Beispiel auf Hausärzte oder mobile Impfteams ausweichen.
Hintergrund ist, dass die Impfzentren in Niedersachsen Ende September schließen sollen. Gestern war somit die letzte Chance zur Erstimpfung, damit die Zweitimpfungen bis zum 30. September sichergestellt werden können. Doch auf einen Ansturm angesichts des Stichtages wartete man gestern vergeblich. Keine Warteschlange vor dem Eingang, kein Andrang. Damit setzt sich ein Trend der jüngsten Zeit fort: Der Impfstoff und das Personal stehen bereit – die Impfwilligen fehlen. „Momentan ist das Impfzentrum übergroß für das, was jetzt noch zu tun ist“, sagte Jonathan Fischer. In den vergangenen Tagen habe man etwa 30 bis 40 Impfungen vorgenommen.
Fischer konnte in dieser Woche jedoch einen neuen Trend beobachten: Immer mehr Schüler hätten den Weg ins Impfzentrum gefunden. Der 35-Jährige weiß auch, woran das liegt.
Die Ära der Impfzentren geht zu Ende
War ein Termin im Impfzentrum Roffhausen vor wenigen Monaten noch heiß begehrt, so kommen jetzt nur noch wenige Menschen hierher. Trotz Impfens ohne Termin seien es in den vergangenen Tagen immer knapp 30 bis 40 Menschen gewesen, berichtet Jonathan Fischer, Teamleiter der Johanniter im Impfzentrum. Und auch gestern Mittag stand niemand an. „Wir sind beim Minimum an Personal, das man einsetzen kann – und trotzdem überbesetzt“, beschreibt Fischer die aktuell ruhige Lage im Impfzentrum.
Gestern hatten Impfwillige die letzte Chance, in Roffhausen eine erste Corona-Schutzimpfung zu erhalten. Die Vakzine von Biontech sowie Johnson & Johnson standen noch zur Auswahl. Für Moderna sei es mittlerweile schon zu spät, so Fischer. Die Zeit bis zur Zweitimpfung soll vier bis sechs Wochen betragen – das wäre nicht einzuhalten, da die Impfzentren bis zum 30. September schließen sollen. Damit geht eine Ära der Pandemie-Bekämpfung zu Ende.
So geht es weiter
In diesem Monat folgen noch die Impfungen für die Betroffenen des Impfskandals und am 30. September schließlich die Zweitimpfungen der Menschen, die gestern noch ihre Chance genutzt haben. Im Oktober würden die Johanniter dann weiterhin mit mobilen Impfteams im Einsatz sein, sagt Fischer, der auch Teamleiter der mobilen Impfteams in Friesland ist.
Darüber hinaus geht der 35-Jährige davon aus, dass nach Schließung des Impfzentrums die nötige Infrastruktur größtenteils bestehen bleibt. Es sei unklar, ob das Zentrum für die sogenannten Auffrischungsimpfungen reaktiviert werde. Allerdings nimmt Fischer an, dass die Auffrischungen bei den Hausärzten erfolgten.
Jüngere kommen
In dieser Woche seien es vor allem junge Leute gewesen, die das Impfzentrum aufsuchten. „Es wird jünger“, beschreibt Fischer die Entwicklung. Einige nutzen die Chance, bevor Corona-Tests ab kommenden Monat kostenpflichtig werden – und um mit Blick auf eine 2G-Regel mehr Freiheiten zu haben. Unentschlossene erreiche man mit dem Impfzentrum ohnehin nicht, betont Fischer. Das erlebe er eher im Einsatz der mobilen Impfteams. „Wer den Weg hierher macht, der möchte auch geimpft werden.“
Gute Zusammenarbeit
Nachdem der Landkreis wegen des Betrugsverdachts bei den Abrechnungen den Vertrag mit dem DRK gekündigt hatte, übernahmen Ende August die Johanniter den Betrieb des Impfzentrums. Ein Großteil des DRK-Teams konnte mit neuen Arbeitsverträgen übernommen werden. Die Zusammenarbeit laufe sehr harmonisch und respektvoll, berichtete gestern auch Schichtleiter Sven Albers von den Johannitern. Alle verstünden sich als ein Team. „Es geht nicht um das, was auf dem T-Shirt steht, sondern um die gute Sache“, betont Albers. Das große Engagement der Mitarbeiter sehe man auch daran, dass viele bereits am 28. und 29. August ehrenamtlich gearbeitet hätten, obwohl die neuen Arbeitsverträge erst ab 30. August gelten sollten.
Beleidigungen
Nach dem Kochsalz-Skandal und dem Betrugsverdacht sei der Ton einiger Besucher rauer geworden. Blöde Sprüche wie „Na, ziehen Sie jetzt auch wieder Kochsalzlösung auf?“ oder auch Beleidigungen müssten sich viele Mitarbeiter anhören, berichtet Sven Albers. Auch Jonathan Fischer weiß: „Die Mitarbeiter hier brauchen ein dickes Fell.“
