Roffhausen - Montagvormittag am Impfzentrum in Roffhausen: Ein Kamerateam bringt sich in Stellung, lauert Menschen auf dem Weg zum Impftermin auf, stellt viele Fragen. Seit Sonntag schon ist das Impfzentrum bundesweit im Fernsehen und den Schlagzeilen: Weil eine Krankenpflegerin des DRK-Kreisverbandes Jeverland sechs Spritzen mit reiner Kochsalzlösung anstelle des Impfstoffs aufgezogen hat – um zu vertuschen, dass ihr zuvor eine Ampulle zerbrochen war.
Vertrauen ins Team des Impfzentrums
Fest steht: Der weitere Betrieb dürfe unter alledem auf keinen Fall leiden. So sieht es auch Dr. Marin Ennen. Der Schortenser Hausarzt meldete sich gestern zu Wort, nachdem die Nachricht vom Vorfall am Sonntag bundesweit die Runde machte.
Der Mediziner ist besorgt, die hochkochenden Emotionen in sozialen Medien und selbst in der Politik könnten das Vertrauen der Bevölkerung ins Impfzentrum nachhaltig erschüttern. Wie berichtet, hatte selbst die Niedersächsische Gesundheitsministerin öffentlich von einer „abscheulichen Tat“ gesprochen. „Das offensichtlich einmalige Fehlverhalten einer einzelnen Mitarbeiterin trifft auch jede und jeden an der Impfkampagne vor Ort Beteiligten zutiefst“, sagt Ennen, der sowohl in Schichten im Impfzentrum Roffhausen als auch in der eigenen Praxis an den Impfungen gegen Covid-19 intensiv beteiligt ist. Und er betont: „Ich kann nur sagen, dass überall mit größtem Einsatz gearbeitet wird.“
Ennen macht deutlich, wie wichtig das Impfzentrum in Roffhausen ist: „Wir haben bereits vor Kurzem erlebt, wie der Ansturm von Patienten auf die Praxen aufgrund völlig insuffizienter Impf-Berechtigungsschreiben durch die Gesundheitsministerin unsere tägliche Arbeit an der Impffront massiv erschwert hat.“ Viele Patientinnen und Patienten, die in den vergangenen beiden Wochen von der Praxis eine Impfung angeboten bekommen haben, hätten daraufhin ihren längst erhaltenen Termin im Impfzentrum absagen wollen – mit der Begründung, sie würden ja viel lieber beim Hausarzt geimpft werden. „So sehr uns das ehrt, so wenig können wir uns dieses Durcheinander leisten“, sagt Ennen. „Jeder Geimpfte ist ein Baustein des Tunnels aus der Pandemie heraus mehr, völlig egal, wo er oder sie geimpft wird.“
Alle Betroffenen Impflinge informiert
Zudem hätte das schnelle Reagieren der Ermittlungsbehörden und des Landkreis zu sofortigen Konsequenzen geführt, um Vorfälle dieser Art in der Zukunft auszuschließen, so Ennen. Und die sechs Betroffenen werden natürlich eine neue Impfung erhalten.
Die gute Nachricht: Der Landkreis hat inzwischen alle Impflinge, die möglicherweise eine der sechs Spritzen mit Kochsalzlösung erhalten haben, kontaktiert. 200 Personen sollen am 5. Mai auf Antikörper getestet werden. Dieser ist zwei Wochen nach dem eigentlichen Impftermin möglich. Da bei einigen Menschen selbst nach einer Impfung keine Antikörper nachweisbar sind, müssen mitunter mehr als die sechs Betroffenen nachgeimpft werden. Die doppelte Impfung in diesem Fall sei aber unbedenklich, hieß es bereits am Sonntag im Pressegespräch des Landkreises. Am 12. Mai soll dann die Nachholimpfung stattfinden.
Seit Sonntag ist zudem das Bürgertelefon des Landkreises geschaltet, dass auch heute von 8 bis 16 Uhr unter Tel. 04461/919-7015 erreichbar ist. „Rund 100 Bürgerinnen und Bürger haben sich hier bisher gemeldet“, so Nicola Karmires, Sprecherin des Landkreises. Viele seien besorgt und zugleich dankbar für die schnelle Information und Möglichkeit des Antikörpertests.
