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Kabarett mit Wilfried Schmickler Der Altmeister trifft immer noch den wunden Punkt

Annette Kellin

Schortens - Deutlich hörbar ist es immer wieder an diesem Abend: das Schnappen nach Luft. Es sind chaotische Zeiten, und Wilfried Schmickler ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Der Altmeister des Politkabaretts stand in Schortens bereits zum siebten Mal auf der Bühne – an Schärfe hat er in den letzten Jahrzehnten nichts eingebüßt, im Gegenteil.

Wilfried Schmickler denkt mit 67 noch lange nicht an Ruhestand

Wilfried Schmickler, gebürtig aus Leverkusen und seit Jahrzehnten in Kölns Südstadt zuhause, denkt mit 67 noch lange nicht an Ruhestand. Er würde auch gewaltig fehlen in der Szene in seiner Art als stramm linker Alt-68er mit ausgebeulten Jeans und Schlabberpullover, der sich nie eingebildet hat, Kabarett könne irgendetwas ändern. Gleichwohl lässt er seinem Ekel gegenüber Gier, Arroganz, Idiotie, Hass und Respektlosigkeit gern freien Lauf und setzt darauf, hier und da einen Gedankenanstoß geben zu können.

Er präsentierte mit „Es hört nicht auf“ sein neues Soloprogramm – jederzeit offen für tagesaktuelle Sequenzen. Eine Mischung aus Texten, die wie hingeworfen klingen, aber haargenau den wunden Punkt treffen. Aus Lyrik, so schnell gesprochen, dass einem mitunter schwindelig werden könnte, und aus Liedern, bei denen er nicht jeden Ton trifft, aber darum geht’s auch nicht.

„Wir pfeifen ein Lied aus dem letzten Loch“

„Weiter, immer so weiter“, singt Schmickler, „wir pfeifen ein Lied aus dem letzten Loch“ und beschreibt eine Welt in hellen Flammen. Und dennoch glaubt man quasi den ewig gleichmäßigen Alltagstrott zu hören – Nachdenken, Überdenken, Korrigieren? Fehlanzeige.

Brandaktuell – wenngleich nicht neu, das Lied bringt der Altmeister seit Jahren mit Veränderungen. Auch dieses Mal zündet es perfekt, wo gerade „in Moskau ein kleiner weißer Mann Angst und Schrecken in der ganzen Welt verbreitet“, es aber zumindest „eine gute Nachricht in dieser freudlosen Zeit gibt: Ab 20. März ist Corona kein Thema mehr“.

Und schon erzählt Schmickler von seinen Langzeit-Corona-Nachwirkungen, die ihn große Teile des Hirns und viele Albträume gekostet haben. Schuld sind „Brennpunkte“ in endloser Folge, Markus Lanz als Überdosis und der „menschgewordene Wegweiser zum Glück Eckhard von Hirschhausen“. Es geht auch um Klimawandel und Lebenswandel: „Schuld sind immer die anderen“. Und auch der Sport kommt nicht ungeschoren davon. Motto für die Fußball-WM in Katar: „Die Welt zu Gast bei Terrorfreunden.“

Bei aller Schärfe huscht immer mal wieder ein amüsiertes Lächeln über Schmicklers Gesicht. „Gegen all die Idiotie und das brutale Morden stehen wir mit unserer grenzenlosen Liebe zum Leben“, ist seine Botschaft.

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