Schortens - Der Skandal um Unstimmigkeiten bei den Abrechnungen mit dem Impfzentrum und einer Flüchtlingsunterkunft sowie um eine Mitarbeiterin, die im Impfzentrum Kochsalz verimpft haben soll, brachten dem Kreisverband Jeverland des Deutschen Roten Kreuzes viele Schlagzeilen – bei der Jahreshauptversammlung waren die Geschehnisse gleichwohl kein Thema.
Alle Fragen zum Skandal seien beantwortet
Im Vorfeld habe es mehrere Termine mit den Aktiven in den drei DRK-Bereitschaften Jever, Sande und Schortens gegeben, schreibt die Vorsitzende Heide Bastrop in einer Pressemitteilung. Der geschäftsführende Vorstand habe alle Vorgänge akribisch aufgearbeitet und den Mitgliedern in den Bereitschaften vorgetragen. Alle Fragen seien beantwortet worden. Ziel des Kreisverbandsvorstandes sei „größtmögliche Transparenz“.
Für die Mitglieder ist diese Form der Aufarbeitung augenscheinlich ausreichend. Bei der Corona-bedingt verspäteten Mitgliederversammlung für das Jahr 2020 wurde dem geschäftsführenden Vorstand mit großer Mehrheit das Vertrauen ausgesprochen. Somit wird die Hilfsorganisation weiterhin von der 1. Vorsitzenden Heide Bastrop, von ihrem Stellvertreter Joachim Peters sowie Schatzmeister Hans Stümer geleitet. Michael Redlin wurde als weiterer stellvertretender Vorsitzender neu in den geschäftsführenden Vorstand gewählt; der bisherige Amtsinhaber Timo Tetz schied auf eigenen Wunsch aus.
Aus dem erweiterten Vorstand sind – ebenfalls auf eigenen Wunsch – Dr. Henning Fründt (bisher Kreisverbandsarzt) sowie Heike Fründt (Justiziarin) ausgeschieden. Die Posten konnten nicht wieder besetzt werden, da es keine Bewerber gab.
55 Wahlberechtigte der insgesamt rund 1150 Mitglieder waren anwesend und erteilten dem Vorstand für das Jahr 2020 einstimmig Entlastung. Das Geschäftsjahr 2021 ist Thema bei der nächsten Mitgliederversammlung, die in ein paar Monaten stattfinden soll.
Neues Fahrzeug für ehrenamtliche Helfer
Neben den Wahlen war die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) des Kreisverbands ein Thema. Dieter Becker leitet die achtköpfige Staffel, die das DRK vor vier Jahre ins Leben gerufen hat; im Landesverband gibt es eine solche Einheit noch im Bereich Cloppenburg.
Die Ehrenamtlichen fahren zu Unfall- und Gefahrenorten und unterstützen – parallel zur Notfallseelsorge der Kirche – Betroffene und Angehörige bei Notfällen und Katastrophen sowie Einsatzkräfte in psychisch belastenden Situationen. Die Staffel hat unter anderem bei der Flutkatastrophe im Raum Ahrweiler geholfen. Die PSNV soll noch in diesem Jahr ein eigenes Einsatzfahrzeug erhalten.
DRK bereit, geflüchteten Menschen zu helfen
Das DRK ist aktuell auch in der Flüchtlingshilfe aktiv. Ralf Fischer, Bereitschaftsleiter in Jever, war als Dolmetscher im Dorf Wangerland. Da die Hilfsorganisationen vor Ort Personalnot hatten, organisierte er spontan knapp ein Dutzend ehrenamtliche Helfer aus den drei Bereitschaften.
Geht es nach dem DRK, bleibt es nicht bei spontaner Hilfe. „Wir sind jederzeit einsatzbereit und in der Lage, geflüchteten Menschen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen“, so der geschäftsführende Vorstand.
Der Vorfall
Das DRK Jeverland hat im Auftrag des Landkreises das Impfzentrum in Roffhausen betrieben. Im Zuge der Ermittlungen um eine Krankenschwester, die mit Kochsalz gestreckten Impfstoff verabreicht haben soll, wurden mögliche Unstimmigkeiten bei der Abrechnung bekannt.Später kamen ähnliche Ungereimtheiten beim Betrieb einer Flüchtlingsunterkunft hinzu. Das DRK soll mit dem Landkreis Stundenlöhne für Mitarbeiter vereinbart haben, die bis zu dreimal so hoch gewesen sein sollen wie die tatsächlich ausgezahlten Gehälter. Für den geschäftsführenden Vorstand wies die Vorsitzende Heide Bastrop die Vorwürfe zurück. Es sei nie vereinbart worden, dass das Geld komplett an die Mitarbeiter gehe, es habe keine Zuwiderhandlung gegeben.
