Schortens - Abdallah Alsayed ist stolz auf das, was er bisher erreicht hat. Zu Recht. Vor drei Jahren kam der gebürtige Libanese als Asylsuchender nach Schortens, heute spricht er hervorragend Deutsch, absolviert eine Ausbildung und hat sich in seiner neuen Heimat gut eingelebt. „Es geht mir richtig gut hier“, sagt er.

Dafür hat der 23-Jährige auch einiges getan. Am Rande des Sommerfestes, das die Integrationslotsen kürzlich zusammen mit den Schortenser Neubürgern im Huntsteertgelände feierten, berichtete Abdallah Alsayed über seinen Werdegang. Warum er den Libanon verlassen wollte? „Das Übliche eben, Krieg, überall Schwierigkeiten“, sagt er. Über die Türkei und den Balkan kam er zunächst ins Lager nach Friedland, dann ging’s nach Dassel und drei Monate später nach Schortens.

Sein großer Traum war ein Studium, Elektrotechnik sollte es sein. Eineinhalb Jahre hat er sich an der Jade Hochschule darauf vorbereitet, unter andrem sprachlich. Als aber klar war, dass er kein Bafög erhalten würde, platzte der Traum: „Ich kann das Studium nicht finanzieren“, sagt er. Der 23-Jährige arrangierte sich, heute steckt er mitten in der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. „Wenn ich damit fertig bin, werde ich auf jeden Fall weitermachen, Meisterschule oder Studium“, weiß er jetzt schon. Ein kurzes Stirnrunzeln: „Mein Status reicht erstmal bis zum Ende der Ausbildung“, sagt er. Ob er danach weiter in Schortens bleiben kann, ist noch völlig unklar. Darüber will er jetzt nicht nachdenken – es hätte ohnehin keinen Sinn.

Abdallah Alsayed denkt aber nicht nur ans eigene Fortkommen, er hat sich von Anfang an für weitere Migranten eingesetzt, indem er als Dolmetscherhelfer zur Verfügung stand. „Deshalb kenne ich auch fast alle, die hier angekommen sind“, sagt er. Ihm selber habe es viel Spaß gemacht, Deutsch zu lernen, seine ehrenamtliche Aufgabe hat ihn dabei auch weitergebracht. „Was ich erreicht habe, hätte ich ohne Sprache nie geschafft“, meint der 23-Jährige. Er sei aber auch mutig, spreche einfach drauflos. Selbst als er einen anderen Migranten zum Arzt begleiten sollte um dort zu übersetzen – „das war nicht einfach“.

„Aber ohne die Integrationslotsen wäre ich auch nicht da, wo ich heute bin“, sagt er und berichtet, dass er auch regelmäßig das Integrationscafé im „Pferdestall“ besucht. Man müsse auch nicht immer selber reden – „zuhören hilft auch viel.“ Dass es in Schortens Lotsen gebe, sei etwas ganz Besonders. „Es ist wirklich toll, was die hier machen.“

Mit der deutschen Nachbarschaft im Ortskern von Schortens kommt Alsayed gut zurecht. Er sei aber auch eher ordentlich veranlagt. „Und ich meine, wenn ich hier bin, muss ich gucken, wie die Leute hier leben und mich anpassen. Es ist nicht meine Aufgabe, die Gesellschaft zu verändern.“ Bisher hat der Auszubildende viel Positives in Schortens erlebt, wurde überall freundlich aufgenommen. Rassistische Anfeindungen habe er noch nicht erlebt, betont er. Gut so.