SCHORTENS - Ein Mann, eine Stimme – und ein weiter Rundumschlag durch die Gesellschaft, die Weltpolitik, den Bundestag und den ganz normalen deutschen Alltag an sich: Volker Pispers trat, zum nunmehr sechsten Mal in zehn Jahren, im Bürgerhaus Schortens auf und begeisterte einmal mehr sein Publikum im ausverkauften Saal mit seinem Programm 'Bis neulich…'.

'Bis neulich…' hat die markante Eigenschaft, sich in ständiger Bewegung zu befinden: Auf altbekannte und -bewährte Texte greift Pispers hier ebenso zurück, wie er Änderungen einfügt und das Ganze hochaktuell aufpoliert. Der Stoff wird ihm dabei wohl nie ausgehen, denn der mehrfach preisgekrönte Kabarettist hat ein scharfes Auge für jegliche Veränderungen und geht diesen spitzfindig und erschöpfend auf den Grund. Und da es derzeit eine ganze Menge zu sagen gibt über die Lage der Nation und auch der Nationen, durfte das Bürgerhauspublikum sich am Mittwochabend bequem auf den Sitzplätzen einrichten, um die mehrstündige, pointenreiche Faktenflut zu genießen.

Pispers recherchiert akribisch, schaut nach Zusammenhängen, er hinterfragt und beschert den Besuchern auch Antworten auf Fragen, die wohl in den Köpfen kreisen, aber so spezifisch noch nicht gestellt wurden.

Die finanziellen Probleme innerhalb der EU nimmt Pispers gerne zum Auftakt: 'Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Griechen!', wandelt er das bekannte Bibelwort um.

Ein Brüller ist für Pispers der häufig verwendete Ausspruch der Kanzlerin: 'Deutschland geht es gut!' Wenn dem so wäre, müsse es wohl mehr Deutschland geben, sinniert der Kabarettist. Denn allein der Arbeitsmarkt bietet bestes Füllmaterial für seine Veranstaltungen. 'Wir haben in Deutschland Arbeiter, Leiharbeiter und Von-der-Leyen-Arbeiter' stellt er fest und zieht Parallelen zwischen Leiharbeitsfirmen und Zuhältern.

Auch hält er Wirtschaftsprognosen für unsinnig – ebenso wie Wirtschaftsexperten: 'Am meisten verdienen nicht die, die die Arbeit machen, sondern die, die sagen: ‚Dort liegt die Arbeit!'

Es folgt der Schwenk zur FDP mit einem Außenminister, der Pispers immer an einen Oberstufensprecher erinnert, und einem Wirtschaftsminister und Vizekanzler, der es in der Pispers-Garde gar nur zum Unterstufensprecher schafft, immerhin mit 'Bambi-Effekt: Man möchte ihn immer in den Arm nehmen.' Der Kanzlerin gesteht Pispers indes eine gewisse Raffinesse zu: 'Wenn alle vor der Merkel stehen und sie beschimpfen, dreht sie sich einfach um und sagt: ‚Die stehen hinter mir.‘' Darin sei sie eine Meisterin.

Pispers’ Sätze lösen Applaus aus, Gelächter, aber auch ernste Mienen. Jeder Satz ist ein Treffer auf seine Weise, darin ist nun halt Pispers der Meister. Und er macht sich stark für die Migranten: 'Das sind 20 Prozent der Menschen in Deutschland, und die meisten von ihnen sind stolzer auf Deutschland als die Deutschen selbst', sagt er, und führt verbal die Islam-Phobie vor, die in den Medien auch noch forciert würde: 'Da ist die Rede von einem ‚mutmaßlichen Islamisten‘. Aber haben Sie schon mal was über einen ‚mutmaßlichen Christen‘ gelesen?' Ihn interessiere nicht, was jemand glaubt, 'sondern, ob er die Gesetze einhält', betont Pispers und erhält großen Beifall.