Schortens - Wie konnte dieser Kabarettist nur so lange an Schortens vorbeikommen? Fatih Cevikkollu hatte jetzt im Bürgerhaus seinen ersten Auftritt, er präsentierte sein bereits siebtes Soloprogramm unter dem Titel „Fatih-Morgana“ (wobei man Fatih wie „Vati“ ausspricht) und eroberte das Publikum zwar nicht im Sturm, dafür aber nachhaltig mit überaus intelligenter, scharfer, gut recherchierter und bissiger Komik.

Es brauchte schon eine Weile, bis das Publikum und der Kabarettist und Schauspieler „auf Betriebstemperatur“ kamen. Und das, obwohl er mit einem gerappten Einstieg schon sicher punkten konnte. Dann aber ging es doch irgendwann richtig zur Sache. Es ging um große und kleine Schweinereien in der Politik, um Schmiergelder in deutschen Parteien, was bisher zumeist ziemlich effektiv unter den Teppich gekehrt wurde. Es ging um Merkel als Würgeschlange, die niemanden neben sich hat groß werden lassen, und um Merz und seine diversen Interessenskonflikte – schon jetzt und besonders dann, wenn er noch mehr Einfluss gewinnen sollte. „Dann hätten wir einen korrupten Kanzler – das kann ich mir gar nicht vorstellen“, bringt es Cevikkollu auf den Punkt.

Und wer sich dabei noch nicht genügend gruselte, dem erklärte der Kabarettist die mit hoher Wahrscheinlichkeit bevorstehenden Veränderungen im digitalen Zeitalter. Sein Ansprechpartner als „digitaler Eingeborener“ war der 17-jährige Titus aus dem Publikum. Alle anderen bezeichnete er als digitale Migranten. „Und als Migrant hast du eine Bringschuld – wie ist das mit euch, lernt ihr die neuen Begriffe, die Sprache, damit ihr euch zurechtfindet?“, nahm er eine aktuelle Debatte mal ganz anders auf und malte dann die schöne neue Welt, in der der Tod keine Rolle mehr spielt, weil man das Bewusstsein auf eine Festplatte überspielen, dann „das Chassis auswechseln“ und das Bewusstsein wieder draufspielen kann. Mensch und Maschine würden miteinander verschmelzen, so seine Vision. „Was macht das mit uns, wenn wir wissen, du kannst dein Hirn mit einer Maschine verbinden?“, fragte er und prophezeite, dass die Entwicklung „technisch durch die Decke gehen, aber menschlich die Hölle wird“. Das war nicht immer lustig, doch das Erschrecken fängt der 47-Jährige rasch wieder auf: „Was passiert eigentlich, wenn es mal einen Ladefehler gibt, könnte dann aus Hitler Ghandi werden?“