schortens - „164 Flüchtlinge müssen von der Stadt Schortens noch aufgenommen werden“, erklärt Bernd Niebuhr vom Landkreis Friesland am Dienstagabend bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung in der Bürgerbegegnungsstätte in Roffhausen.
Zusammen mit Schortens’ Bürgermeister Gerhard Böhling, Heiko Klein, stellvertretender Fachbereichsleiter der Stadt Schortens für Ordnung und Soziales, und Jörg Mondorf, Polizeihauptkommisar Jever, stellte er sich den Fragen der Bürger und Bürgerinnen zur geplanten Sammelunterkunft für Flüchtlinge in der Bürgerbegegnungsstätte. Moderiert wurde der Abend von Andreas Kreye, der zwischen den Parteien vermittelte und die Sorgen der Bürger sehr ernst nahm.
Zwei Sozialpädagogen
346 Flüchtlinge aus der Ukraine haben bereits Zuflucht in Schortens gefunden, aber laut der Quote vom 1. August – die für ein Jahr gilt – muss noch 164 weiteren Menschen Zuflucht gewährt werden – die Bürgerbegegnungsstätte in der Göttinger Straße soll diesen Menschen künftig als erstes Domizil dienen.
Aktuell gibt es zwei Sozialpädagogen, die die Geflüchteten, die in der ersten Sammelunterkunft in der früheren Heinz-Neukäter-Schule (nur wenige Schritte von der geplanten zweiten Unterkunft entfernt) untergebracht sind, betreuen. Da sie sich aber nicht ganzen Tag ausschließlich um die Flüchtlinge kümmern könnten, sei die Stadt auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen. Die Schortenser sind sich ohne Wenn und Aber einig: Menschen, die Schutz vor Krieg suchen, sollen nach Schortens kommen. Das Problem sei, wie die Informationen seitens der Stadt zur geplanten Unterkunft geflossen seien.
Die Befürchtungen
„Nach zwei Jahren Corona haben wir gerade erst wieder richtig anfangen können. Wir müssen unsere Mitglieder ja auch irgendwie bei der Stange halten. Und es ist ein sehr kurzer Zeitraum gewesen, in dem wir informiert wurden, um jetzt alles irgendwie neu zu organisieren“, bemängelte Ulf Gerdes vom Schützenverein Olympia Roffhausen. Eigentlich wird die Bürgerbegegnungsstätte nämlich von Vereinen genutzt.
Auf die Frage, ob es zu der zweiten Unterkunft auch mehr Polizeischutz geben würde, antwortete Hauptkommissar Jörg Mondorf: „Es wäre komisch, als Polizei besonders tätig zu werden, um Menschen zu beobachten, die hier Schutz suchen.“ Es gebe aber einen Sicherheitsdienst, der nach dem Rechten sehen würde. Dies bezweifelte eine Anwohnerin. Ihr Argument: Ihre Erfahrungen in jüngster Zeit seien „grenzwertig“ gewesen und sie habe „nächtelang kaum schlafen können, weil es so laut war.“ Nachdem dann die neue Regel in Kraft getreten sei, dass alle Fenster in der Unterkunft um 22 Uhr geschlossen seien müssten und dies auch kontrolliert werde, sei das Problem mit der Lautstärke aber im Griff, berichtete sie.
Zaun als Schutz
Besonderes Augenmerk wurde an diesem Abend außerdem auf den Zaun gelegt, der einmal komplett um die bestehende Unterkunft herum geht und durch den sich die Geflüchteten nach Einschätzung von Gerrit Selst, 2. Vorsitzender des Bürgervereins Middelsfähr-Roffhausen, wie „Tiere im Käfig“ fühlen müssten. Der Zaun diene ausschließlich der Sicherheit der Kinder, die mit ihren Dreirädern auf dem Hof hin- und herflitzten und die Gefahren, die von der Straße ausgehen, nicht einschätzen könnten, betonte Bernd Niebuhr, Dezernatsleiter für Recht und Ordnung des Landkreises.
Das kann Olga Fischer, Ehrenamtliche beim Verein „Jeverland hilft“, nur bestätigen: „Die Frauen fühlen sich durch den Zaun sicherer. Sie können die Kinder auch mal unbeaufsichtigt draußen spielen lassen und sich ums Essen oder die Wäsche kümmern.“ Sie schlug vor: „Vielleicht könnte man den Kindern und den Müttern die Problematik aber spielerisch erklären. Sie kennen die Regeln hier doch nicht.“
Wohnraum gesucht
Olga Fischer, die im ständigen Austausch mit den Betroffenen ist und hilft, wo sie kann, berichtete weiter über die Lage vor Ort. Die Menschen seien zufrieden und froh, in Sicherheit zu sein. Aber in der sporadischen Unterkunft neben der Bürgerbegegnungsstätte hausen sie mittlerweile seit etwa vier Wochen. Sie könnten zum Beispiel ihre Zimmer nicht abschließen und hätten kaum Privatsphäre. „Sie gehen langsam echt auf dem Zahnfleisch“, sagte Fischer. Bürgermeister Gerhard Böhling appelliert daher erneut an die Bürger, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. „Wenn es möglich ist, wollen wir auf die Turnhallen verzichten, sodass der Schul- und Vereinssport weitergehen kann“, so Böhling.
Wer Wohnraum oder Hilfe anbieten kann, meldet sich bitte per E-Mail:
