Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Kabarett Ingo Appelt live: Warum das Virus Schortens verschont

Annette Muschalik

Schortens - Ingo Appelt kommt, das Bürgerhaus ist gerappelt voll und gleich zur Begrüßung wird klar, dass hier einer klare Worte bevorzugt. „Schön wieder hier zu sein, am Arsch der Welt. Da findet mich Corona bestimmt nicht.“

Dabei sind es nicht die Schortenser, auf die es Appelt in seiner Show „Der Staats-Trainer“ abgesehen hat. Es sind vor allem von Fremdenhass geleitete „Nazis“, die er immer wieder aufs Korn nimmt. Aber auch viele andere mehr oder weniger fanatisch auftretende Zeitgenossen wie Vegetarier („Das sind Gemüsenazis, da steckt ja schon ‚Arier’ drin.“), Sportfreaks („Fitnessnazis“), handysüchtige Jugendliche, Kölner oder SUV-Fahrer entgehen nicht seinen verbalen Attacken. Dass dabei auch diverse Politiker quer durch alle Parteien nicht ungeschoren davon kommen, versteht sich schon fast von selbst.

Nicht nur komplett schwarz gekleidet, sondern auch mit jeder Menge schwarzem Humor

Ganz typisch ist Appelt nicht nur komplett schwarz gekleidet sondern er hat auch eine Menge schwarzen Humor mitgebracht, der sich – so kennen und wollen es seine Fans – gerne mal unter der Gürtellinie oder am Rande geschmacklicher Entgleisung bewegt.

Zwischen Kalauern wie „Von Sagrotan läuft der Sack-rot-an“ trifft er aber mit einer Menge schmerzhafter Wahrheiten ebenso ins Schwarze, wie sein Humor, was die Show zu bester Satire macht. „Alle haben eine große Fresse, aber keiner hilft mit.“

Immer wieder Objekt lustvoller Abrechnung ist außerdem das männliche Geschlecht, denn auch Nazis seien „nichts anderes als frustrierte Männer – unbefriedigt und als Helden und Eroberer abgemeldet“.

Männlichkeit schreie ewig nur nach „Waffen, kämpfen, Krieg“ und Appelt geht beinahe beispielhaft voran, indem seine Sätze wie Salven aus dem Maschinengewehr auf das Publikum niederprasseln. Damit auch der letzte im Saal es begreift, wird außerdem fleißig gebellt, geröhrt, gerülpst und was das männliche Imponiergehabe noch so an Geräuschbelästigungen auf Lager hat.

Männlichkeit schrei ewig nur nach „Waffen, kämpfen, Krieg“

Nach der Pause zeigt sich dann, dass das ewige Spiel zwischen Männlein und Weiblein immer noch die lautesten Lacher provoziert. Kommunikation kann ja gar nicht funktionieren, „wenn Frauen fünf Sprachzentren haben und Männer nur eines, das auch noch sehr lange braucht, bis es hochgefahren ist“. Und das Gesäusel eines frisch verliebten Mannes sollte keine falschen Hoffnungen wecken, denn es ist nur ein „biologisches Verarschungsprogramm“. Schonungslos macht Appelt den Männern klar, dass die Zukunft den Frauen gehört und es auf die richtige Mischung von Macho und Weichei ankommt, um als ordentliches „Matschei“ überhaupt Chancen bei Frauen zu haben. Und damit das auch klappt, wird gleich in gemeinsamem Sprechgesang geübt.

Der Ausflug in die „Gesinnungshomosexualität“ verlangt dem männlichen Publikum dann noch mal alles ab, gilt doch für die meisten Männer, „dass es ihnen lieber ist, wenn ihnen einer mit vorgehaltener Pistole begegnet, als wenn sie einer lieb haben will“. Das Aufatmen ist fast spürbar, als Appelt schließlich zu seiner Paradedisziplin der Parodie zurückkehrt. Ob Willy Brandt, Udo Lindenberg oder Til Schweiger - er hat es einfach drauf. Aber mit Grönemeyers „gesungenem Scrabble“ auf dem (gar nicht) stillen Örtchen hat Appelt sich selbst übertroffen. Nicht nett, aber urkomisch.

Zum Abschied gibt es dann am Klavier noch eine eindrucksvolle Kostprobe des musikalischen Appelt und wer wissen will, was passiert, wenn beim Liebesspiel der Blick auf Angela Merkels Porträt verstellt ist, der sollte nicht vor der Zugabe den Saal verlassen.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Stellten die Ausweitung des Konzeptes „Wilhelmshaven sicher“ auf den Busverkehr der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft vor: (v.li.) Frank Rademacher (Geschäftsführer Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven), Polizeidirektor Heiko von Deetzen, Projektleiter und Polizeihauptkomissar Tim Bachem und Oberbürgermeister Carsten Feist.

POLIZEIPRÄSENZ IM BUSVERKEHR Hausrecht der Polizei stärkt ab sofort Sicherheit in Bussen

Lutz Rector
Wilhelmshaven
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden
Mit Video
Nach der Sprengung inspizierten Midgard-Beschäftigte die Überreste der Verladebrücke.

KRANSPRENGUNG IN NORDENHAM Koloss aus Stahl fällt in 15 Sekunden zusammen

Norbert Hartfil
Nordenham