Schortens - Auch wenn Sorgen den Alltag überschatten: Mit großer Fröhlichkeit haben Schortens’ Integrationslotsen und Migranten auf dem Huntsteertgelände Sommerfest gefeiert. Ziel war in erster Linie, neue Kontakte zu ermöglichen und bereits bestehende Kontakte zu pflegen. Auch einige – wenige – Ratsleute nahmen die Gelegenheit wahr.
Derzeit gehören noch 53 Lotsen zum Verein, allerdings haben sich etliche aus der aktiven Arbeit zurückgezogen. Mit rund 30 Aktiven sei es nicht möglich, neu Migranten angemessen zu betreuen, sagte Vorsitzende Gisela Sandstede. „Wir haben derzeit leider viel zu wenige Paten, uns fehlen dringend Engagierte, die uns unterstützen.“ Willkommen sind auch Ältere, die mit Lebenserfahrung und Netzwerken meist viel erreichen können. Genauso gern gesehen sind aber auch Jüngere.
Auch wenn an vielen Stellen schon viel für die derzeit noch rund 300 Migranten in der Stadt erreicht wurde, so haben die Lotsen doch auch einige Sorgenfalten auf der Stirn. Zum Beispiel wegen Nasser: Der 28-Jährige aus Eritrea hat in Friesland mittlerweile Arbeit im Tief- und Straßenbau gefunden. Doch er wartet darauf, dass seine Frau nachkommen darf. Sie lebt in einem Auffanglager im Sudan und soll dort zunächst einen Deutschkurs absolvieren als Voraussetzung für den Nachzug.
Zwar haben die Integrationslotsen alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt, doch seit zwei Jahren tut sich nichts. „Sie kann den Kursus dort nicht machen, es gibt dort nichts“, sagt Nasser. Er würde seiner Frau selbst einen Kursus vermitteln, würde ihn auch aus eigener Tasche bezahlen, aber im Sudan sei eben schlicht keine Möglichkeit, Deutsch vorab zu lernen, sagt er.
„Solche Probleme lassen einen fast verzweifeln“, sagt Gisela Sandstede und berichtet, wie sich diese ausweglose Situation auf die Stimmung des jungen Manns auswirkt. „Und das ist kein Einzelfall“, sagt die Vorsitzende. Den Mut verlieren, das kommt allerdings nicht in Frage. Und so wird eifrig weiter geforscht, wo und wie man noch etwas erreichen könnte. Beim Sommerfest wurden die Sorgen erst einmal zur Seite geschoben – doch schon heute beschäftigen sie das Lotsen-Team wieder.
