Schortens - Sie sind ein Gespann. Er, Henning Scherf, Jahrgang 1938 und ehemaliger Bremer Bürgermeister und weit über Bremen hinaus bekannter Charmeur, der auch schon früher im Bürgerhaus Schortens bewiesen hat, dass er ein Publikum begeistern kann. Sie, Annelie Keil, emeritierte Professorin und Mitbegründerin der Bremer Universität, kann man beschreiben als resolut, mitfühlend und humorvoll.

Beide haben als Kinder in ganz unterschiedlicher Weise noch de Zweiten Weltkrieg erlebt und aus dieser Erfahrung ganz unterschiedliche Lebensentwürfe entwickelt. Und als Gespann waren sie nun im Bürgerhaus, um über den Tod, das Sterben und das Abschied nehmen zu reden. Ihr gemeinsames Buch heißt „Das letzte Tabu“.

Annelie Keil hat die ersten Jahre ihres Lebens in einem Waisenhaus in Polen gelebt, ist dann in russische Gefangenschaft geraten und danach in den Westen geflüchtet. Scherf wuchs mit sechs Geschwistern in relativer Geborgenheit auf.

Beide plädieren aus ihrer Erfahrung in der Sterbebegleitung dafür, das Sterben und auch die Trauer als einen sehr individuellen Prozess zu sehen, den man keinesfalls tabuisieren sollte. So zeigt sich Keil beeindruckt von der direkten Art, wie Kinder mit dem Sterben umgehen. So berichtet sie von einem fünfjährigen Kind, das sich Bilder von den Lieblingsblumen der Pflegerin wünschte. Auf die Frage was er damit wollte, antwortete er: „Dann kann ich demnächst im Himmel all die Blumen pflücken, die du magst.“

Auch die Trauer braucht ihre Zeit. Das sprichwörtliche „Trauerjahr“ ist ein Hinweis darauf, dass es Zeit braucht den Verlust eines geliebten Menschen zu kultivieren und ins Leben zu integrieren. Die Unabänderlichkeit des Todes kann kaum besser widergegeben werden als mit der Aussage Charly Browns im Comic: „Eines Tages werden wir sterben.“ Snoopy: „Aber all die anderen Tage nicht.“