Schortens - Etwas größer als Purkswarfe bei Sillenstede ist das Dorf im Kreis Lenti schon. Die kleine Gemeinde in Ungarn hat immerhin gut 60 Einwohner. Im nächsten Jahr kommen zwei neue hinzu. Denn Petra und Stefan Wolf haben für ihren Umzug alles gut vorbereitet. Sie sind Aussteiger der besonderen Art.
„Das Leben in Ungarn ist wie in Voslapp – nur wie vor 50 Jahren“, sagen beide. Sie stammen aus dem Wilhelmshavener Stadtteil. Der gelernte Garten- und Landschaftsbauer Stefan Wolf (59) freut sich riesig auf das neue Kapitel, das irgendwann im kommenden Jahr Realität werden soll. „Mehr als auf die Schnauze fallen können wir ja nicht.“
Petra Wolf war bei der Entscheidungsfindung so was wie der Motor. Sie hat die Umsetzung ihres Traums geplant, das neue Zuhause aber eher per Zufall in Ungarn entdeckt. „Wir sind über unsere Hunde zum Haus gekommen“, sagt sie.
Die frühere Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins Oestringen wohnt mit ihrem Mann sehr ländlich bei Sillenstede, und auf einen kleinen Bauernhof gehört ein Hund. Doch der Hofhund starb vor zwei Jahren, „da fiel mein Mann in ein Loch“. Es musste ein neuer Vierbeiner her. Ihr Traum war immer ein Leonberger gewesen. Sie wollte ihren Hund von einem vernünftigen Züchter, so surfte sie im Internet, wurde fündig bei einem Schweizer in Ungarn.
Drei Hunde und die Katzen kommen mit
Kurzerhand fuhr Petra Wolf dorthin und nahm nicht nur den einen bestellten Leonberger mit, sondern gleich zwei. Aber sie entdeckte auch ihre Liebe zu dem Land und zur Art des Lebens. Das kleine Dorf liegt zwar in Ungarn, „aber die Hälfte der Einwohner sind Österreicher“, sagt Stefan Wolf. Während seine Frau sich schon auf Ungarisch unterhalten kann, sagt Stefan Wolf: „Das ist die schwerste Sprache der Welt.“ Er freut sich jetzt schon auf die „deutschen Abende“.
Ihr neues Haus ist bereits fix und fertig umgebaut worden. Tassen, Teller, Möbel – alles ist schon dort. Drei Hunde und die Katzen („die eine hab ich mit der Flasche großgezogen“) kommen mit. Beide freuen sich auf ihren neuen Lebensabschnitt – ohne Stress und Hektik im Alltag. „In Ungarn gehen die Uhren anders“, sagen sie, und das hat die Wolfs begeistert. Sie wollen ihr Leben entschleunigen, es langsamer angehen lassen. Selbst beim Einkaufen ist es in ihrer künftigen Heimat im Kreis Lenti im Komitat Zala einfach ruhiger. „Und daran gewöhnt man sich“, sagt Stefan Wolf. Sie haben ungarische Handwerker engagiert, die neue Fenster eingesetzt und die Garage saniert haben. „Die Preise waren super günstig.“ Den Großteil haben die beiden mit Freunden selbst erledigt und ihr neues Haus praktisch kernsaniert. „Wir haben uns da ein Paradies geschaffen“, bringt es Petra Wolf auf den Punkt.
Obwohl sie jetzt noch gar nicht so oft in ihrem neuen Zuhause waren, sieht es dort immer picobello aus. Der Rasen müsse immer gut aussehen, sonst zahle man Strafe, sagt Petra Wolf. Ihr ist es gelungen, einen Nachbarn zu finden, der diesen Job erledigt, solange Stefan und Petra Wolf noch in Purkswarfe sind. Es ist der Bürgermeister ihres Dorfes.
