SCHORTENS - Der nach der letzten Sitzung des Jahres kredenzte und von jedem selbst bezahlte weihnachtliche „Festbraten mit Gemüsevariationen“ wird den Schortenser Ratsmitgliedern sicher geschmeckt haben – die Beschlüsse und Perspektiven, die in den zwei Stunden zuvor im Bürgerhaus behandelt wurden, werden dagegen manch einem schwer im Magen liegen. Vor allem beim Blick auf die Finanzen der Stadt mag einem der Appetit vergehen: Rund zwei Millionen Euro fehlen allein für die Vorhaben im neuen Jahr. Nun muss überall gekürzt werden, pauschal sind zehn Prozent gefordert. Tabu ist allenfalls die Kinderbetreuung, ansonsten wird rausgequetscht, was an Sparpotenzial möglich ist.

Vision oder Utopie?

Da erscheint der Wunsch des Heidmühler FC, die mittlerweile für die Vereinsgröße zu klein geratene und sanierungsbedürftige Sportanlage am Klosterpark aufzugeben und in Schoost einen neuen Sportpark zu bauen, nicht mal mehr als Vision, sondern schon als Utopie.

So jedenfalls sehen das Utta Schüder (Grüne) und Mike Schauderna (Linke): „Wir kämpfen hier um jeden Euro, streichen und kürzen überall. Da können wir nicht so tun, als ob wir demnächst zum großen Geld kämen“, kritisierte Schüder den Beschlussvorschlag, dem HFC den Weg nach Schoost zu ebnen. Auch Schauderna monierte, dass der Rat beim HFC völlig falsche Hoffnungen wecke, die auf Jahre hinaus nicht zu erfüllen seien.

Die Gruppe von CDU, FDP, UWG und FdU machte dagegen deutlich, dass es momentan nur allein darum ginge, dem Verein mit einem grundsätzlichen Votum zu signalisieren, dass die Stadt eine mögliche Sportplatz-Verlegung – wann immer und zu welchen Bedingungen die kommen mag – prinzipiell unterstützt. CDU-Fraktionsvorsitzender Axel Homfeldt kritisierte, dass SPD und BfB mit ihren Einwendungen und mit Zahlen behafteten Vorschlägen „das Ei braten wollten, bevor es überhaupt gelegt ist.“

Für Zahlenspiele, oder – wie von der BfB erfolglos gefordert – finanzielle Obergrenzen einer städtischen Co-Finanzierung sei es noch viel zu früh, so Homfeldt. Der HFC solle mit dem Beschluss lediglich in die Lage versetzt werden, für das Millionen-Projekt bei Sponsoren und der Landessportförderung um Fördergelder zu werben. „Vielleicht kommen wir eines Tages auch zu dem Ergebnis, dass es besser ist, am Klosterpark zu bleiben.“

Keine „Lex HFC“ schaffen

Die SPD stellte klar, dass sie das Vorhaben des HFC ebenfalls unterstützt, dennoch aber gegen den Ratsbeschluss stimmen werde, „weil die Formulierungen zu vage gehalten sind“, so SPD-Finanzexperte Peter Eggerichs.

Peter Torkler (SPD) mahnte mit Blick auf die notwendigen Ausgaben für anderen Sportvereine der Stadt, keine „Lex HFC“ zu schaffen. „Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird die Stadt in den nächsten Jahren die erforderlichen Millionen Euro niemals beisteuern können.“

Am Ende gab es eine Ratsmehrheit von 17 zu 14 Stimmen für die „unverbindliche Absichtserklärung“ eines Schoost-Umzuges.

Zwar sind ihre Projekte nicht ganz so teuer, dennoch müssen auch der TuS Sillenstede und Schwarz-Weiß Middelsfähr bis auf weiteres in die Röhre gucken. Zwar stimmte der Rat auch ihren Wünschen nach Sportplatz-Erweiterungen und Sanierung zu – aber auch hier folgte dem „Ja“ ein „Aber“: Aber die Stadt hat kein Geld.