Schortens - Seit März, also seit Beginn der Corona-Maßnahmen, ist in der Diskothek „Nachtschicht“ Schicht im Schacht: Die Inhaber Petra und Jens Hinrichs blicken dennoch zuversichtlich in die Zukunft. Sie wollen zu Jahresbeginn ihren Saal für Gruppen mit maximal 100 Gästen und mit einer Bühne erweitern. Ein wirklich ambitioniertes Unterfangen in einer Zeit, in der es mehr als schwierig ist, gesicherte Zukunftspläne zu schmieden.

„Aus finanzieller Sicht ändern auch die in Aussicht stehenden Hilfen – 75 Prozent des Umsatzes der Vorjahresmonate November und Dezember sowie die Soforthilfen im Januar – nichts am Quasi-Berufsverbot, das für die Eventgastronomie besteht“, sagt Jens Hinrichs.

Übergangs- oder Arbeitslosengeld deckten lediglich den privaten Bedarf. Überbrückungshilfen gehen für die laufenden Betriebskosten drauf, helfen aber nur bedingt. Und ein Berufskollege, der davon seine Mitarbeiter bezahlte, musste Überbrückungsgelder sogar zurückzahlen, berichtet Hinrichs nachdenklich, für den sich die Situation etwas anders darstellt: Für Aushilfen gibt es kein Kurzarbeitergeld, bei zwei Öffnungstagen pro Woche hat seine Diskothek keine festen Mitarbeiter. „Unsere Homeoffice-Arbeit besteht aus planen und wieder verwerfen“, meint Petra Hinrichs. Das Weihnachtsprogramm, im Oktober geplant, ist Makulatur. Und wenn es wieder losgehen soll, müsse man das zwei bis drei Monate vorher wissen, um Künstler buchen zu können.

Außerdem wisse Jens Hinrichs nicht, wie die Situation nach der Pandemie sein wird, sagt er. Die Jugend ändere sich. Jugendliche gingen nicht mehr so „auf Tour“ wie früher. Sie planten vorher und guckten nach Bewertungen von Locations. Mit Blick auf das neue Jahr weiß Hinrichs schon jetzt: Die Grünkohlsause im Januar und die Karnevalsparty im Februar kann er getrost streichen.

Auf die Beantragung von Hartz IV möchten die Hinrichs‘ verzichten, denn dann müssten sie auch an ihr Privatvermögen ran. Das Eigenkapital sei aber für die Rente gedacht. „Würden wir es jetzt ausgeben, müssen wir später länger arbeiten“, erklärt Jens Hinrichs. Dabei habe der Staat jahrelang gerne Steuern eingezogen.

Neben der Diskothek ist die Eventgastronomie ein weiteres Standbein der Hinrichs’. Rund 20 Außenveranstaltungen entfielen dieses Jahr für den Bereich der Eventgastronomie. Das Osterfeuer konnte zum Glück abgesagt werden, bevor Strauchschnitt angeliefert wurde, der dann hätte gehäckselt werden müssen. Aber: Das Getränkelager war im März voll. Auf Bier, Wasser, Limonade und Saft seien jedoch Mindesthaltbarkeitsdaten, und Ketchup oder Mayonnaise aus dem Zehnlitereimer konnte die Familie nicht selbst aufessen, sodass manches entsorgt werden musste, bedauert Hinrichs.

Im Saal gab es zwar einige Kaffeetafeln, aber auch hier wurden viele Termine abgesagt oder, wie Taufen und Trauerfeiern, sehr klein begangen. Der Grund: Die Gäste waren oft verunsichert, wie viele Personen sie einladen durften, und gingen dann lieber auf Nummer sicher. Im Spätsommer dann ein neuer Versuch: Hinrichs’ boten eine Lounge mit bis zu 100 Gästen auf Anmeldung drinnen und draußen an. „Der Vorteil der Diskothek sind die Filterlüftungsanlagen“, meint Jens Hinrichs, der natürlich auch den Außer-Haus-Verkauf von Speisen nutzt. So wurde der Grünkohl zum Mitnehmen sehr gut angenommen. Ein Angebot, das es ab 9. Januar wieder jeden Sonnabend geben soll. Ansonsten haben Petra und Jens Hinrichs viel Freizeit, obwohl sie täglich in ihren Betrieb gehen, Staub wischen, Kühlgeräte hochfahren und Wasser laufen lassen.

Die Hinrichs’ warten nun, wie viele andere auch, auf die alles entscheidende Spritze. „Und drei Monate nach Impfbeginn wird sich die Lage normalisieren“, hofft Jens Hinrichs.