Schortens - Besinnliche Weihnachten oder Konsumrausch? Alle Jahre wieder sollen die Festtage so schön wie möglich werden. Aber tatsächlich haben wir vor Weihnachten den meisten Stress. Spätestens im November werden wir aufgefordert, alle Antennen auf Konsum zu stellen. Übervolle Verkaufsregale und emotionale Weihnachtswerbung verlocken mit Angeboten, die wir angeblich für ein besinnliches Fest brauchen – von jährlich neuen Deko-Trends bis hin zu Adventskalendern für Haustiere. Produkte solcher Art verdeutlichen den Irrsinn des Überkonsums – und es wächst der Wunsch nach echter Rückbesinnung und weihnachtlichem Minimalismus. Tipps für ein nachhaltigeres Weihnachtsfest gibt das Regionale Umweltzentrum (RUZ) in Schortens – im Rahmen des Projekts „Küstenwandel“.
Sinn des Schenkens
Schenken macht Freude, und Geschenke gehören traditionell zu Weihnachten. Allerdings wird jedes Jahr mehr Geld in Weihnachtsgeschenke investiert, und viele Geschenke sind weder gewünscht, noch werden sie gebraucht. Mittlerweile gibt es einen regelrechten nachweihnachtlichen Handel mit ungeliebten Weihnachtsgeschenken.
Der Wert der Dinge
Da jede Produktion Ressourcen und Energie benötigt, unbedingt nur schenken und wünschen, was wirklich gebraucht und geschätzt wird, qualitativ hochwertig und langlebig ist. Eine kleine Wunschliste kann sehr hilfreich sein und vermeidet „ungeliebte Geschenke“.
Wer „fair-schenken“ möchte, achtet beim Geschenkkauf auf sozial gerechte und umweltverträgliche Produktion.
Muss es neu sein?
Spielzeug, Elektrogeräte, Kleidung – fast alles gibt es aus zweiter Hand und gut erhalten. „Second Hand“ ist längst gesellschaftsfähig geworden und bedeutet nicht, dass wir zu geizig sind, Neues zu kaufen. Im Gegenteil: Wer Gebrauchtes nutzt, handelt nachhaltig. Für vieles, was wir besitzen, haben wir keine Verwendung. Weiterverschenkt, kann es Freude bringen und wieder zum Einsatz kommen.
Zeit für einander
Das Verschenken von Zeit und gemeinsamen Erlebnissen hat einen besonderen Wert und muss keinen großen finanziellen Aufwand bedeuten. Zeit kann man zudem nutzen, um schöne und nachhaltige Weihnachtsgeschenke einfach selbst zu machen. Bücher, Zeitschriften und Internet geben jede Menge Tipps und Anregungen.
Schön verpackt?
Sind die Geschenke ausgepackt, bleiben Müllberge aus aufwendigen Verkaufsverpackungen, Plastikfolien, Geschenkpapier mit Schleifchen, Kärtchen und Klebestreifen zurück. Diese große Ressourcenverschwendung und die jährlich zu Weihnachten anwachsenden Müllberge lassen sich durch viele umweltfreundliche und kreative Alternativen vermeiden.
Plastik ade!
Beim Geschenke-Kauf auf unnötige Verpackungen verzichten. Noch brauchbare Tüten, Schachteln, Papierbögen und Geschenkbänder aufheben und so oft wie möglich wiederverwenden. Muss es doch neu sein, zumindest auf Recyclingqualität achten (Siegel: Blauer Engel!) und auf unökologische Materialien wie Folien, beschichtetes Papier, Klebestreifen und Kunststoff-Schleifenband verzichten.
selbst gemacht
Alte Zeitschriften, Zeitungen, Schnittmuster, Kalenderblätter, Landkarten, Comics… Kartons, Gläser und Dosen können ganz individuell, bemalt, beklebt und mit unterschiedlichen Naturmaterialien dekoriert werden.
Aus Japan stammt die alte Tradition Geschenke in sogenannte Geschenk-Tücher einzuwickeln. Auch in Stoffresten, Stoffbeuteln, Tüchern oder Schals lassen sich Geschenke schön verpacken.
O Tannenbaum
Fast 30 Millionen Weihnachtsbäume werden jährlich in Deutschland verkauft. Diese stammen zwar überwiegend aus Deutschland, werden aber auch aus dem Ausland importiert. Heimisch oder nicht heimisch – 80 Prozent der Bäume wachsen auf bewirtschafteten Monokulturen, oft unter intensivem Einsatz von Pestiziden und Mineraldüngern, mit wenig Transparenz für den Verbraucher.
Umweltfreundlicher und gesundheitlich unbedenklich sind naturnah im Wald gewachsene Bäume. Waldbesitzer und Umweltgruppen sind Ansprechpartner und bieten die Möglichkeit, Nadelbäume unter Anleitung selbst zu schlagen. Allerdings kann der insgesamt hohe Bedarf so nicht gedeckt werden. Bäume aus hiesigen ökologisch bewirtschafteten Kulturen sind bisher schwer zu finden. Aber je größer die Nachfrage, umso schneller ändert sich das Angebot. Der Umweltschutzverband Robin Wood hält eine Liste mit Anbietern von Öko-Weihnachtsbäumen parat.
Ein Plastikbaum kommt zwar mehrere Jahre zum Einsatz, schaut man aber auf Material, Produktion und Entsorgung, ist er keine umweltschonende Alternative.
