Schortens - „Seid ihr gut drauf? Habt ihr Lust zu feiern?“ Normalerweise sind es solche Fragen, die Oliver Specht, alias DJ Olli aus Jever, den Besuchern in der „Nachtschicht“ stellt. Doch am Samstag entertainte der 21-Jährige bei einer Sonderimpfaktion in der Diskothek und informierte über die Corona-Schutzimpfung: „Wenn du Biontech bekommst, vergiss nicht den zweiten Termin am 25. September. Bei Johnson&Johnson bist du jetzt schon durch“, lautete seine Mikrofon-Durchsage.
Angebot kommt an
Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren konnten sich am Samstag von 16 bis 21 Uhr von einem mobilen Impfteam der Johanniter auf der Tanzfläche der „Nachtschicht“ impfen lassen. Ein Angebot, das gut ankam. Schon vor dem Start um 16 Uhr bildete sich eine lange Schlange am Eingang.
„Sage und schreibe 175 Impfungen mit den Impfstoffen der Firmen Biontech und Johnson&Johnson haben wir in fünf Stunden verabreicht, mehr als 160 der Impflinge waren bislang noch nicht erstgeimpft oder genesen“, erklärte Dr. Markus Ennen (Schortens). Für die Impfaktion in der Diskothek kamen die Menschen nicht nur aus Schortens, Sande oder Jever. „Überraschenderweise reiste etwa die Hälfte der Impflinge aus Ostfriesland, der Wesermarsch und sogar dem Ammerland an“, so Ennen. Der Arzt freut sich, Teil der Aktion gewesen zu sein. Im Gespräch berichtete er, dass er direkt dabei war, als er von Petra und Jens Hinrichs von der Aktion hörte. Es brauche genau solche niedrigschwelligen Impfangebote, um vor allem auch Jugendliche zu erreichen, meinte Ennen. Der große Zulauf am Samstag sollte ihm recht geben.
Ablauf
Für die Impfwilligen führte der Weg zunächst durch den Irish Pub. An zwei Stehtischen kümmerten sich „Nachtschicht“-Betreiberin Petra Hinrichs sowie Anna Steinsiek von den Johannitern um das Organisatorische: Sie erfassten die Daten und füllten die Impfbögen aus. „Viel Spaß beim Impfen“, gab Petra Hinrichs den Besuchern noch mit auf den Weg, bevor die Teilnehmer auch schon weiter zu Dr. Markus Ennen gehen konnten.
Auf einem Sofa empfing der Arzt die Impfwilligen, klärte in einem persönlichen Beratungsgespräch über Risiken auf und beantwortete Fragen. Dann ging es weiter auf die Tanzfläche: zum Impfen. Abgetrennt durch drei Zäune, bespannt mit großflächigen Werbebannern, wurden in einem Abteil die Spritzen aufgezogen, im benachbarten Bereich verabreichte dann Alex Korzuschnik von den Johannitern das Vakzin. Nach einer kurzen Wartezeit im Loungebereich der Diskothek, konnten die Geimpften dann auch schon wieder los.
REaktionen
Ziel der Impfaktion mit Disco-Feeling war es, vor allem Jüngere zu motivieren, sich impfen zu lassen. „Das ist unser Beitrag, den wir leisten können“, sagte Petra Hinrichs am Samstag.
Und das Konzept ging auf: „Ich finde das eine coole Sache, dass man hier die Chance dafür bekommt“, erklärte der 22-jährige Nils Held aus Schortens. Auch sein Freund Leon Behrends befürwortete die Aktion. Beide haben sich am Samstag mit Johnson&Johnson impfen lassen. Auch der 18-jährige Pascal Kreienschmidt hat am Samstag seine Impf-Chance genutzt. Was ihn motiviert hat herzukommen? „Das Testen soll bald Geld kosten und ich möchte Zugang zu bestimmten Dingen auch in Zukunft haben“, sagte er.
Wer am Samstag dabei war, konnte sehen, mit welcher Begeisterung Petra und Jens Hinrichs sowie das gesamte Team bei der Sache waren – es herrschte eine vertraute und zugleich ausgelassene Atmosphäre, in der manch einer sogar seine Angst vor der Spritze vergessen konnte.
Leider gab es aber auch Kritiker der Aktion. Jens Hinrichs berichtete von Drohmails, die er und seine Frau im Vorfeld aufgrund der Impfaktion erhalten hätten. „Wir würden Kinder mit der Impfung schänden“, lautete zum Beispiel ein Vorwurf. Doch solch negative Stimmen konnten weder die gute Laune der Hinrichs’ noch das gute Ergebnis von Samstag trüben: 175 Impfungen in fünf Stunden – das kann durchaus als Erfolgsgeschichte im Kampf gegen die Corona-Pandemie bezeichnet werden.
