Schortens - Nachmittags im Familienzentrum „Pferdestall“: Menschen aus aller Herren Länder sitzen beisammen, trinken Tee und unterhalten sich. Einige haben schwere Tragetaschen dabei oder dicke Ordner unter dem Arm klemmen: Arbeit für Gisela Sandstede und die anderen Ehrenamtlichen des Integrationslotsenvereins.

„Mal sehen, wem wir heute helfen können“, sagt Sandstede. Viele der Gäste kennt sie schon seit langem. Die Vereinsvorsitzende zählte im Jahr 2013 zu den ersten Integrationslotsen in Schorten. Heute werden gut 300 geflüchtete Menschen in der Stadt von den Integrationslotsen betreut. „Die meisten sind längst im Alltag angekommen, benötigen aber immer mal wieder Unterstützung oder einen Rat“, erzählt Sandstede. Viele Probleme ließen sich während des Integrationscafés für Migranten und Deutsche im „Pferdestall“ klären. Vor allem aber treffen sie hier Freunde – und Einheimische. Jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr gibt es dieses offene Angebot.

Das Motto des Cafés: „Miteinander leben – voneinander lernen.“ So ist auch eines von vielen Angeboten entstanden, bei dem es anfangs um den Spracherwerb ging. Über eine Lernsoftware wurde die deutsche Sprache vermittelt. Dabei stellte sich schnell heraus, dass viele der geflüchteten Menschen kaum PC-Kenntnisse hatten. „Mit ihren Smartphones kommen sie bestens zurecht, aber eine Bewerbung mit dem PC schreiben – daran hapert es dann häufig“, weiß Sandstede. Der Integrationslotsenverein bietet deshalb Kurse und Bewerbungstrainings an, dafür wird der PC-Raum des „Pferdestalls“ genutzt. Die Öffnungszeiten stehen in Deutsch, Englisch und Arabisch an der Tür, hinter der bereits mehrere erfolgreiche Bewerbungen geschrieben worden sind: „Wir haben schon viele Menschen in Arbeit und Ausbildung gebracht“, erzählt Hans-Jürgen Gennert, Projektgruppenleiter Soziales des Integrationslotsenvereins. Er erzählt unter anderem von einem jungen Mann aus dem Libanon, der inzwischen bei Opel Schmidt in Wilhelmshaven eine Lehrstelle als Kfz-Mechatroniker bekommen hat. „Er hat sich vor Ort vorgestellt und initiativ beworben – mit Erfolg.“

Mit dem Lehrvertrag endet die Unterstützung durch die ehrenamtlichen Lotsen aber keinesfalls – wartet doch mit der Berufsschule eine weitere Hürde auf die Migranten, da dann zumeist erneut Sprachprobleme zu Tage kommen. Sandstede hofft deshalb auf weitere Betriebe, die den Geflüchteten eine Chance geben und beispielsweise die Ausbildungszeit verlängern.

Um die geflüchteten Menschen noch besser zu integrieren, arbeiten die ehrenamtlichen Lotsen eng mit dem zuständigen Fachbereich Soziales und Ordnung der Stadt Schortens zusammen. Zudem sind weitere Projekte in der Vorbereitung: So soll die Fahrrad-Werkstatt zum sozialen Treffpunkt ausgebaut werden, auch eine Werkstatt für kleinere Computerreparaturen ist im Gespräch.

Stephan Giesers
Stephan Giesers Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung