Schortens/Wilhelmshaven - Wellen peitschen gegen den Deich des Gezeitentisches, setzen die Mini-Landschaft unter Wasser – gebastelte Windräder drehen sich und selbst konstruierte Autos nehmen Fahrt auf. Das alles können Schüler im außerschulischen Lernort Technik und Natur hautnah erleben.

8500 sind es jedes Schuljahr. Darunter viele Kinder der Grundschule Oestringfelde, die den Lernort längst zu schätzen wissen und häufig für Projekte in Wilhelmshaven zu Gast sind. Jetzt aber haben beide Einrichtungen in einem Kooperationsvertrag eine noch engere Zusammenarbeit vereinbart.

Los geht es im kommenden Schuljahr. Dann werden Besuche am Standort Wilhelmshaven für alle Klassen und derzeit rund 100 Schüler fest zum Lehrplan an der Grundschule gehören – mit Vor- und Nachbereitung im Sachkundeunterricht, erklärt Schulleiter Stephan Immega. Gemeinsam mit Dirk Wolf, dem pädagogischen Leiter des Lernortes, stellte er gestern die Kooperation vor. Angesetzt sind zwei Termine pro Jahr.

Für Immenga steht schon jetzt fest: Die Kooperation soll Aushängeschild der Verlässlichen Grundschule Oestringfelde werden, die aktuell steigende Schülerzahlen verzeichnet. Das Oberthema dabei: „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ – kurz BNE. Dahinter steckt das Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung – mit dem Ziel, Dialogfähigkeit und Orientierungswissen, kreatives und kritisches Denken sowie ein ganzheitliches Lernen zu fördern. BNE soll Experimentier- und Gestaltungsräume für Nachhaltigkeitslösungen und gesellschaftliche Innovationen schaffen, erklärt Wolf. Im Lernort werden altersgerecht die Weichen gestellt. Neben den MINT-Themen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik wird somit Nachhaltigkeit vermittelt. Die Folgen des Klimawandels, alternative Energien – das sind einige Themen. Dafür kommen die Klassen für einen Tag in den Lernort, es gibt mehrere Module. Daraus könnten zusätzlich gemeinsame Projektwochen entstehen. Zudem haben Lernort und Grundschule vereinbart, sich regelmäßig auszutauschen, Fortbildungsangebote für Lehrer sind ebenfalls möglich.

Im Mittelpunkt steht aber ein neues Lernen. Denn auch das zähle zur Nachhaltigkeit, sagt Wolf: Weg vom Frontalunterricht und festen Fächern, hin zu einer praxisorientierten Lehrkultur. „Die Kinder lernen fürs Leben und nicht für die nächste Klassenarbeit“, bringt es der Schulleiter auf den Punkt. Gerade beim Thema Nachhaltigkeit sei das wichtig. Denn am Ende müssten die Kinder selbst verinnerlichen, warum nachhaltiges Handeln so wichtig ist.

Stephan Giesers
Stephan Giesers Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung