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Einzelhandel In Sillenstede geht eine Ära zu Ende

Annette Muschalik

Sillenstede - Am 1. Juli ist es soweit: Die Türen zum Gemischtwarenladen von Manfred Ohmstede bleiben endgültig geschlossen. Für alteingesessene Sillensteder ist diese Ankündigung mit viel Wehmut verbunden, denn „Mannis” Laden und seine Gastwirtschaft sind seit 1961 fester Bestandteil des Dorflebens. Eigentlich sogar schon seit 1951, denn in dem Jahr haben seine Eltern Johann und Martha Ohmstede beides übernommen – damals noch mit Kohlenhandel und Viehwaage.

Es wird beschwerlich

Neben Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Zeitschriften, die hier über den Tresen gingen, stehen noch heute in vielen Haushalten Besen, Spaten oder Schlitten aus dem Geschäft in der Dorfmitte, das liebevoll „Klein-Karstadt“ genannt wurde. Und die Gastwirtschaft war über Jahrzehnte Treffpunkt und Versammlungsstätte – insbesondere für den Schützenverein, der hier seinen Schießstand hat.

Das ist lange her. Seit Jahren ist es immer ruhiger geworden in dem Haus, in dem Manfred Ohmstede auch seine Wohnung hat. So ist für den 82-Jährigen die Schließung die logische Konsequenz aus weniger Kundschaft und einem Alter, in dem das Arbeiten beschwerlich geworden ist.

Viele wertvolle Erinnerungen

Die Erinnerung an vergangene Zeiten aber ist noch sehr lebendig bei Manfred Ohmstede und Ilse Gerdes. Die 75-Jährige ist seit 1969 als Einzelhandelskauffrau im Laden beschäftigt, denn auch wenn die Stammkunden fast alle gestorben sind, „alleine lassen wollte ich Manni nicht“.

Fröhlich erzählen sie davon, wie es einst im Laden brummte, sie sogar Fahrräder, Waschmaschinen, Herde und reichlich Campingmobiliar verkauft haben. Was nicht im Dachgeschoss auf Lager war, wurde bestellt. Beim abendlichen Ausliefern der Ware half Ilse Gerdes Ehemann Ewald Gerdes, der vor sechs Jahren gestorben ist. „Wir waren ein gutes Gespann, dein Mann und ich“, erinnert sich der Kaufmann. Dass einer seiner Stammkunden eines Tages mit seinem Pony in die Gastwirtschaft kam, gehört zu den eher kuriosen Erinnerungen.

Fernsehen und Zeitung kamen im Verlauf der Jahre immer wieder gerne zu Besuch in den Laden, in dem sich seit den 60er-Jahren kaum etwas verändert hat. Und während die Fassade des Hauses zwischenzeitlich saniert wurde, glänzen im Inneren der Gastwirtschaft die alte Holzkassettendecke und der Dielenboden unverändert in schöner alter Pracht.

In Zukunft mehr Zeit

Pläne für die Zukunft hat der Alleinstehende nicht. Für den 29. Juni muss noch eine Bestellung für den TuS Sillen-stede erledigt werden. Nach der Schließung steht die Inventur an – alles Weitere wird sich zeigen. „Mein Leben war ja immer mit Arbeit verbunden, und so lange alles mitläuft, macht man das auch gerne. Aber jetzt freue ich mich, nicht mehr arbeiten zu müssen.“

Nur zweimal war Manfred Ohmstede im Urlaub. Noch mal damit anfangen will er nicht. Aber bei der Skatrunde mitmischen, die sich noch regelmäßig bei ihm trifft, dazu hat er Lust. „Auch wenn die mittlerweile alle eine Generation jünger sind als ich“, gibt er schmunzelnd zu bedenken. Bruder, Schwester und Neffen wohnen nicht vor Ort, kommen aber regelmäßig zu Besuch, und für den Klönschnack zwischendurch ist da ja auch noch Graupapagei „Balu“.

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