Hannover - Zahlen belegen die dramatische Situation: An den rund 2800 allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen werden aktuell 32 716 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, die „über keine oder nur geringe Deutschkenntnisse verfügen“. So lautet das Ergebnis einer Abfrage von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) zur Lage von Flüchtlingskindern im Land.
Danach sind fast 16 000 Schülerinnen und Schüler im vergangenen halben Jahr neu an die Schulen gekommen. Eine besondere Herausforderung: „8899 Kinder und Jugendliche mit Sprachförderbedarf sind in ihrer Herkunftssprache nicht alphabetisiert“, betont Heiligenstadt, die kommende Woche detaillierte Auswertungen vorlegen will. Bereits an diesem Mittwoch trifft sich die Kultusministerin mit Lehrkräften, Verbänden, Schulleitern und anderen Organisationen, um die Folgen aus diesem Flüchtlingsansturm zu beraten.
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) fordert bereits eine „Verdopplung der Sprachlernklassen“ auf insgesamt 1200 in ganz Niedersachsen. Kultusministerin Heiligenstadt will bislang nur 550 Sprachlernklassen zur Verfügung stellen. Der Verband schlägt alternativ vor, den Förderunterricht aufzustocken, was besonders den kleinen Grundschulen zugute käme. Zudem müssten die Budgets für Lehr- und Lernmittel an Schulen, die Flüchtlingskinder aufnehmen, zeitnah aufgestockt werde. „Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich Flüchtlingseltern an den Kosten beteiligen“, betont der Verband.
Heiligenstadt versichert, angesichts der vielen Flüchtlingskinder sei oberste Maxime: „Jedes Kind, das Sprachförderung braucht, bekommt sie auch.“ Ziel sei, Schüler ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen so zu fördern, „dass sie möglichst bald dem Unterricht folgen können“. Die Kultusministerin setzt dabei auf Erfahrungen der Vergangenheit: „Kinder lernen oft sehr schnell Deutsch und können dem Unterricht schon nach wenigen Monaten folgen.“ Kinder würden auch einfach auf dem Schulhof „voreinander lernen“. Heiligenstadt: „Hier liegt eine große Chance.“
