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RAOUL KRIPPNER: Apfelberliner und tolle Lehrer

08.07.2005

NORDENHAM Der Jurist machte 1983 sein Abitur. Heute gehört er zum Vorstand des Fördervereins.

von jens milde NORDENHAM - Wenn Raoul Krippner an seine ehemaligen Lehrer denkt, dann fällt ihm als erstes Frau Dr. Ilse Odinga ein. Noch immer schleicht sich dieser Ausdruck von besonderer Wertschätzung in seine Stimme, wenn er den Namen seiner ehemaligen Klassenlehrerin ausspricht. „Eine kleine zierliche Person, vor der selbst diejenigen einen ungeheuren Respekt hatten, die zwei Köpfe größer waren als sie.”

Heute hat Krippner einen Steinwurf vom Gymnasium entfernt seine Rechtsanwaltskanzlei. Und seine Nachbarn sind Frau Dr. Odinga und ihr Mann Johannes, der in den Siebzigern das Gymnasium leitete. Dass die Schule auf diese Weise für den 43-Jährigen noch heute allgegenwärtig ist, empfindet er als Bereicherung. Mit der Schulzeit verbindet er in erster Linie schöne Erinnerungen.

1983 machte Krippner sein Abitur. Vielen ist der Nordenhamer als Schülersprecher in Erinnerung geblieben. Mehrere Jahre hat er diese Aufgabe wahrgenommen – mit einem Team durchaus streitbarer Mitschüler, die nicht immer einer Meinung waren. „Trotzdem haben wir eine Menge auf die Beine gestellt.” Vier Schulfeten im Jahr waren Anfang der Achtziger die Regel. „Da brannte die Luft”, denkt Krippner noch heute mit leuchtenden Augen an die Partys mit bis zu 2000 Besuchern zurück.

Ein weiteres Verdienst der Schülervertretung war der Aufbau einer Schülerzeitung. Und weil Krippner und seine Kollegen auch vor kritischen Meinungen nicht zurückschreckten, „bewegten wir uns damals in einem ständigen Spannungsfeld.” Die Ausgaben mussten vor der Veröffentlichung der Schulleitung vorgelegt werden. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten schätzt der 43-Jährige bis heute Johannes Odinga und dessen Nachfolger Helmut Frerichs als „tolle Menschen, mit denen man sachbezogen und immer auf Augenhöhe diskutieren konnte.”

Der Anwalt macht keinen Hehl daraus, dass er nicht frei von Jugendsünden ist. Da ist zum Beispiel die Geschichte mit der Bundeswehr. Die wollte Werbung in der Schülerzeitung machen und dafür auch bezahlen. Die Redaktion konnte das Geld gut gebrauchen. Aber für die Bundeswehr zu werben, entsprach seinerzeit nicht unbedingt dem Zeitgeist. Der Schülersprecher erinnert sich, dass „einige Werbezettel versehentlich aus den Heften fielen, als wir die Zeitungen verteilt haben.”

Ein besonderer Höhepunkt war für ihn der Besuch von Dr. Rainer Funk, dem Nachlassverwalter des Psychoanalytikers und Humanisten Erich Fromm. Krippner hatte den Mann zu einem Wochenendseminar eingeladen. 60 Schüler – für mehr war kein Platz – nahmen freiwillig daran teil. „Schulleiter Helmut Frerichs war davon so begeistert, dass er für alle diese legendären Apfelberliner spendierte, die es in der Mensa gab.”

Krippner hat sich immer wohl gefühlt am Gymnasium - und das hat in erster Linie mit den Menschen zu tun: mit den Freunden, mit denen er gemeinsam gelernt und gelegentlich auch die Französisch-Stunde geschwänzt hat, und mit den Lehrern, „von denen mich einige sehr geprägt haben.” Dr. Gary Maas zum Beispiel. „Ein Mann der keine Halbheiten mag. Er hat mich wie kein anderer auf das universitäre Arbeiten vorbereitet.” Die Freude an Literatur verdanke er Karin Unger-Waßhausen. Und viele andere Lehrer von Dieter Steinke bis hin zu Hermann Zöbelein sind ihm in angenehmer Erinnerung geblieben – als Menschen mit Herz und Verstand.

Heute ist Krippner im Förderverein des Gymnasiums. Außerdem besucht sein ältester Sohn Leonard die sechste Klasse der Schule. Die Verbindung reißt nicht ab, und der ehemalige Schülersprecher ist froh darüber.

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