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Universität: Auf Weg zur maßgeschneiderten Hörhilfe

31.10.2012

Oldenburg Wenn’s ums Hören geht, kommt man in Deutschland an Oldenburg nicht vorbei. Dafür hat Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier gesorgt. Doch nicht nur in der deutschen Hochschullandschaft genießt der Physiker und Mediziner einen exzellenten Ruf, er ist einer der meist beachteten und geachteten Hörforscher der Welt.

Erst im Juni dieses Jahres hat Kollmeier mit seinem Team und in Zusammenarbeit mit den beiden Hochschulen in Hannover die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder für sich entschieden. „Wir können jetzt unsere Arbeit unter neuen Rahmenbedingungen zum Wohl der Schwerhörigen fortsetzen. Das betrifft vor allem die Ausstattung und die Zahl der Mitarbeiter.“

34 Millionen Euro für fünf Jahre hatten die Hörforscher bei der Deutschen Forschungsgesellschaft beantragt, 28 Millionen sind es letztendlich geworden. Trotzdem bedeutet dies 60 zusätzliche Stellen in Oldenburg, 40 in Hannover. Das Programm heißt „Hearing4All“ – auf Deutsch: Hören für alle. Denn das ist das Ziel: „Wir wollen in den nächsten 20 Jahren das Problem lösen.“

Und der Oldenburger Hörforscher ist Schritt für Schritt vorangekommen. Bis in die 90er Jahre waren Hörsysteme primär auf die Versorgung jedes einzelnen Ohrs ausgerichtet. Das Forscherteam um Kollmeier hat mit seinen Entwicklungen zu einem entscheidenden Umdenken in der gesamten Branche beigetragen.

Keine Alterserscheinung

„Im ersten Schritt mussten wir zunächst die komplexen Abläufe des natürlichen Hörens verstehen und darauf aufbauend erste Rechenverfahren für Hörsysteme entwickeln, die diese Prozesse für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung übernehmen“, beschreibt Kollmeier.

In Deutschland leidet jeder Sechste unter einem verminderten Hörvermögen. Hörprobleme sind weit verbreitet – vor allem bei der Generation 60+, bei der etwa jeder Zweite darunter leidet. Doch das Phänomen ist keine reine Alterserscheinung.

Auch Jugendliche und Kinder verfügen oft über ein eingeschränktes Hörvermögen. Fast jedes 100. neugeborene Kleinkind hat bereits eine Hörschädigung und benötigt möglichst früh eine Hörhilfe, um normal sprechen und mit der Umwelt kommunizieren zu lernen. Die bislang gebräuchlichen Hörgeräte verbessern zwar die Situation der Betroffenen, doch die Technik stößt mitunter an ihre Grenzen.

Viele Auszeichnungen

So ist in Räumen mit Nachhall, bei mehreren durcheinanderredenden Menschen oder lauten Hintergrundgeräuschen trotz Hörhilfe oft nur ein unverständliches Gewirr von Stimmen und Geräuschen zu vernehmen.

Doch die Forscher gehen weiter. „Durch eine Verbesserung der individualisierten Hör-Diagnostik und der darauf angepassten Versorgung mit persönlichen Hörhilfen wollen wir die Kommunikationssituation der Betroffenen entscheidend verbessern – sei es bei der Arbeit, im Verkehr oder zu Hause. Dazu werden innovative Verarbeitungskonzepte für Hörgeräte und Hörimplantate ebenso weiterentwickelt wie ,assistive’ Technologie für jedermann – also das Hörgerät in jedem Smartphone, Fernseher oder Autoradio“, so Kollmeier.

Um ihre Ziele zu erreichen arbeiten die Hörforscher eng mit Sonderpädagogen, Informatikern, Psychologen, Physikern und Hirnforschern zusammen. „Wir wollen zu den drei Besten der Welt auf unserem Gebiet gehören. Das Ziel erscheint uns durchaus machbar“, betont der Physiker und Arzt, der für seine Arbeit mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde: Im Jahr 2001 erhielt er den Forschungspreis Technische Kommunikation für seine Forschung zur hörgerechten Sprachverarbeitung, 2011 den Wissenschaftspreis Niedersachsen und 2012 den International Award der American Academy of Audiology zugesprochen.

Nun sind er und sein Team für den renommierten Deutschen Zukunftspreis 2012 nominiert worden. Der Preis wird am 28. November vom Bundespräsidenten an besonders erfolgreiche Arbeiten aus dem Bereich Technik und Innovation verliehen, die herausragende Ergebnisse in der Wissenschaft erreichen und zu zukunftsprägenden Produkten führen – zum Beispiel zu Hörgeräten und Implantaten.

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Norbert Wahn Redakteur / Politikredaktion
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