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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Bildung

„Das Schulsystem verlangt zu viel Elterneinsatz“

08.11.2010

OLDENBURG Die Familie stammt aus der Türkei, lebt in Papenburg, wo der Vater als Schweißer bei der Meyer Werft arbeitet – und eine der beiden Töchter nimmt seit Sonnabend an einem Schülercampus der Universität Oldenburg teil, weil sie möglicherweise Lehrerin werden will.

Mit einer viertägigen Veranstaltung sollen junge Menschen mit Migrationshintergrund für den Lehrerberuf begeistert werden. „Mehr Migranten werden Lehrer“ heißt das Programm, das am Sonnabend festlich begann und mit einem internationalen Büffet sowie Willkommensgrüßen der Veranstalter gestartet wurde.

Uni-Vizepräsidentin Prof. Dr. Gunilla Budde erklärte ein Ziel der Veranstaltung: „Das derzeitige Schulsystem setzt zu viel Elterneinsatz voraus.“ Auch deshalb wäre es erstrebenswert, wenn mehr Lehrer mit Migrationshintergrund an den deutschen Schulen unterrichteten. Außerdem seien solche Lehrerinnen und Lehrer eindrucksvolle Rollenvorbilder für ihre Schüler.

Budde unterstrich aber auch, dass die Integration von Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland deutlich besser sei als gemeinhin angenommen werde. Entsprechende Gutachten fänden leider nicht im wünschenswerten Maße das Interesse der Öffentlichkeit.

Die 31 Schülerinnen und Schüler, die an der Oldenburger Veranstaltung teilnehmen, kommen aus ganz Niedersachsen und hatten sich mit einem Motivationsschreiben und einer Lehrerempfehlung für das Projekt beworben. Sie sollen die Vielfalt des Lehrerberufs kennenlernen, mit Praktikern über Berufswege, Aufstiegsmöglichkeiten und Fächerwahl sprechen. Besuche in Schulen sowie Gespräche mit Studierenden an der Universität runden das Projekt ab. Staatssekretär Stefan Porwol vom niedersächsischen Kultusministerium sprach von einem Vorbildcharakter.

Die Veranstaltung geht auf eine Initiative der „Zeit“-Stiftung zurück und hat bereits in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern stattgefunden. Das Projekt zielt auf ein Grundproblem an deutschen Schulen: Fast jeder dritte Schüler ist nichtdeutscher Herkunft, in manchen Großstadtschulen liegt der Anteil in einzelnen Klassen bei bis zu 90 Prozent. Lehrerinnen und Lehrer mit Einwanderungsgeschichte sind dagegen die Ausnahme – bundesweit nur zwei Prozent.

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Jürgen Westerhoff Redakteur / Regionalredaktion
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