DELMENHORST - Die Schüler testen, wie süß Produkte sein sollten. Sie sind mit großer Begeisterung bei der Sache.
Von Wolfgang Loest
DELMENHORST - „Die Kinder sind eigentlich ganz offen, wenn es um gesunde Ernährung geht“, hat Helga Schwarz festgestellt. Die Mitarbeiterin des Regionalen Umweltbildungszentrums (RUZ) Hollen ist gegenwärtig in der Grundschule Deichhorst aktiv, wo Aktionstage zum Thema „Milchriegel, Obstzwerge und Lachbonbons – Ernährung für Kinder im Spiegel der Werbung“ laufen.Den Kindern soll anschaulich und spielerisch nahe gebracht werden, welche Lebensmittel notwendig sind, um gesund und fit zu bleiben. Verbote habe da keinen Platz, es geht um Überzeugungsarbeit. Beispielsweise mit Hilfe selbst gebackener Milchschnitten, bei denen die Kinder selbst abschmecken, wie viel Zucker oder Honig es denn unbedingt sein muss, um den Pausensnack schmackhaft zu machen.
„Bei vielen Lebensmitteln, die speziell für Kinder kreiert wurden, handelt es sich schlicht um Süßigkeiten, die nichts mit einem gesunden Frühstück oder einer kindgerechten Mahlzeit zu tun haben“, sagt Schwarz. Deshalb wird während des Ernährungstrainings mit den Grundschülern genau hingeguckt, welche Bestandteile die Produkte enthalten und vor allem wie hoch der Zuckeranteil ist. Es geht, wie die RUZ-Expertin unterstreicht, nicht um ein generelles Verbot von Süßem, sondern um schmackhafte Alternativen „mit süßem Geschmack nach Maß“. So würden die Kinder beim Getränke-Test sehr schnell selbst feststellen, dass bei Limonade oder manchen Fruchtsaftgetränken der eigentliche Fruchtgeschmack durch Zucker überdeckt wird.
Grundschullehrer Gerhard Lüllmann, der auch am RUZ unterrichtet, ist von dem neu entwickelten Konzept, das neben Ernährung auch Bewegung in der Schule zum Thema hat, voll und ganz überzeugt. Im Entwicklungsplan der Grundschule Deichhorst sei Gesundheitserziehung ein wesentlicher Baustein. Das Umweltbildungszentrum sei vor allem in der praktischen Umsetzung sehr effektiv.
„Wir setzen auf Handlungsorientierung und sinnliche Erfahrung“, fasst Helga Schwarz zusammen. „Mit den Aktionstagen in den Klassen 1 bis 4 versuchen wir, den Unterschied zwischen Werbung und Wirklichkeit spielerisch zu verdeutlichen.“
Um gesunde Ernährung nachhaltig zu verankern, müssen auch die Eltern mit einbezogen werden. Doch bei diesem Klientel ist das Interesse eher geringer als bei den Kindern: Ein Elternnachmittag musste bereits wegen zu geringer Beteiligung abgesagt werden.
Und auch beim Frühstückspaket, das die Kinder mit in die Schule bringen, zeigt sich das mangelnde Bewusstsein einiger Eltern. „Manche Kinder prahlen damit, dass sie Chips und Limonade mitgebracht haben“, weiß Lüllmann aus langjähriger Erfahrung.
