DELMENHORST - Zwölf Schüler wollen einen Appell an Oberbürgermeister Schwettmann richten. Ratsherr Paul-Wilhelm Glöckner unterstützt sie dabei.
Von Alexander Schmolke
DELMENHORST - Oberbürgermeister Carsten Schwettmann erhält in Kürze Post. Der Geschichts-Leistungskursus von Dr. Hans-Joachim Müller wird ihm schreiben und in seinem Brief fordern, in Zukunft Straßen nach Delmenhorster Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus zu benennen. Denn eine solche Würdigung verdienter lokaler Persönlichkeiten gebe es bislang nicht.Ihre Untersuchungen zu diesem Thema führten die Teilnehmer des gemeinsamen Leistungskurses von Max-Planck- und Willms-Gymnasium zunächst im Stadtteil Brendel. Neben den Geschwistern Scholl und Graf Stauffenberg wird dort auch weniger bekannten Widerstandskämpfern auf Straßenschildern gedacht. „Sie stammen jedoch alle aus dem Rheinland, ein lokaler Bezug fehlt vollkommen“, wunderten sich die zwölf Schüler.
Nach dieser Entdeckung beschlossen die Kursteilnehmer gemeinsam mit ihrem Lehrer, ihre Beschäftigung mit dem örtlichen Widerstand gegen die NS-Diktatur zu vertiefen. Bereitwillig unterstützt wurden sie dabei vom Delmenhorster Historiker und Ratsherrn Paul-Wilhelm Glöckner, der in den 80er Jahren grundlegende Arbeiten zum Thema „Delmenhorst unterm Hakenkreuz“ veröffentlicht hatte.
Bei ihrer weiteren Recherche stießen die Jugendlichen darauf, dass der Widerstand gegen das Hitler-Regime in Delmenhorst vorwiegend von Kommunisten geführt wurde. „Und Straßen nach Kommunisten zu benennen, war während des Kalten Krieges nahezu unmöglich, weswegen etwa Albert Goldenstedt diese Form der Ehrung versagt blieb“, berichtete Kursteilnehmer Marco Welzel bei der Präsentation der Ergebnisse.
Doch nach dem Untergang der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges seien diese Gründe obsolet geworden. „Was spricht also dagegen, in Zukunft Straßen nach Delmenhorster Widerstandskämpfern zu benennen?“, fragen sich die Schüler – und bringen einige Namen ins Spiel: „Eine Friedrich-Geppert-Gasse, ein Paul-Schipper-Weg oder eine Albert-Goldenstedt-Straße könnten nachfolgenden Generationen Vorbilder aus ihrer Heimatstadt vor Augen führen.“ Zudem wäre dies ein Zeichen gegen die in jüngster Zeit wieder verstärkt auftretenden rechtsextremen Tendenzen in Deutschland.
