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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Bildung

Delmenhorst ist sichere Stadt

26.03.2011

DELMENHORST Auf den ersten Blick klingt es ja ein bisschen bizarr: Seit Freitag darf Delmenhorst als erste deutsche Stadt den Titel „Safe Community“ („Sichere Stadt“) tragen. Doch anders als man vielleicht annehmen könnte, hat diese Auszeichnung nichts mit Maßnahmen zur Bekämpfung von Kriminalität zu tun – sondern mit einer gelungenen Prävention auf dem Gebiet der Kinderunfälle. Verliehen wurde ihr das Prädikat bei einer Feierstunde im Rathaus in Anwesenheit von Vertretern der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Unpopuläres Thema

Die Gefahren lauern überall – draußen wie drinnen. Das machte Dr. Johann Böhmann, Leiter der Kinderklinik am Klinikum und zugleich Vorsitzender des Vereins „Gesundheit im Kindesalter“ am Vormittag am Rande eines Symposiums mit führenden Unfallforschern aus Deutschland im Hanse-Wissenschaftskolleg deutlich. Es müsse nicht zwangsläufig ein Auto sein, das ein Kind beim Weg zur Schule schwer verletze, sagte der Mediziner: „An erster Stelle stehen Verbrühungen und Verbrennungen, gefolgt von Stürzen, Ertrinken und Brandverletzungen.“ Am Ende mit verheerenden Folgen: „Unfälle sind bei Kindern die höchste Todesursache. Sie kommt noch vor Krebs“. Und um die Aussage zu untermauern: „Zwischen 500 und 600 Kinder sterben jährlich in der Bundesrepublik an den Folgen.“ Eine Zahl, die nicht nur entschieden zu hoch ist, sondern auch überflüssig: „Laut einer Statistik wären 60 Prozent der Unfälle vermeidbar.“ Wären wohlgemerkt, denn als reales Problem hätten das die meisten Städte (Ausnahme sei Delmenhorst) noch gar nicht erkannt, kritisierte Böhmann und schloss die eigene Berufsgruppe gleich mit ein: „Ärzte könnten in dem Bereich eine wichtige Funktion wahrnehmen. Doch sie engagieren sich zu wenig.“ Ähnlich sähe es an den Universitäten aus: „Unfallprävention ist in Deutschland ein unpopuläres Thema und wissenschaftlich nicht so interessant wie zum Beispiel die Krebsforschung.“ Und nicht zuletzt trage auch die Regierung eine gewisse Mitschuld: „Für Unfallprävention wird weltweit genauso viel Geld ausgegeben wie zur Erforschung der Schuppenflechte“, fasste Böhmann zusammen.

Skandinavien als Vorbild

Dass es durchaus anders ginge, würden Staaten wie Schweden und Norwegen zeigen. Boerge Ytterstad, Norweger und als Vertreter der WHO bei der Preisverleihung in Delmenhorst anwesend, nannte nicht ohne Stolz Zahlen; „17 ,Safe Communities‘ gibt es gegenwärtig in Norwegen, 14 in Schweden und 16 im übrigen Europa.“ Er hofft, dass sich in Zukunft immer mehr Städte dem Vorbild Delmenhorsts anschließen werden.

Auch Maria Abeln, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ und Mit-Organisatorin der Fachtagung, sieht noch Handlungsbedarf in Sachen Unfallprävention: „Das Thema kommt hier nur schwer an die Öffentlichkeit.“ Die Lobby sei einfach zu klein. Geldgeber würden ebenfalls fehlen, und auch ein Prominenter, der durch sein Engagement, ein Umdenken bewirken könne, sei bislang nicht in Sicht.

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Mirja Zipfel Friesoythe / Redaktion Münsterland
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