DELMENHORST - Delmenhorst und das Gymnasium an der Willmsstraße war für Stefan Nolting mitnichten ein weißer Fleck, als die Stelle des Schulleiters ausgeschrieben wurde und er seinen Hut in den Ring warf. Die vergangenen zwei Jahre hatte der Schulpädagoge, der den Lehrerberuf den schönsten Beruf der Welt nennt, das Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Oldenburg geleitet, und „das Willms war eine meiner Ausbildungsschulen“.
Deutsch-Förderkurse
Von 1998 bis 2001, in dieser Zeit war er Assessor und Studienrat am Gymnasium Ganderkesee, lebte Nolting sogar in Delmenhorst. Der 44-Jährige sieht die Schule „sehr gut aufgestellt und zukunftsfest“. Besonderen Eindruck hinterließ auf ihn die gut ausgebaute Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund, „das ist hier gelebte Praxis“. Nolting ist fest entschlossen, hier noch mehr zu tun, Deutsch-Förderkurse für Fünftklässler zu etablieren.
Nun ist er da, der Neue. Am Mittwoch bezog Nolting das Schulleiterbüro, das sein Vorgänger Burkhard Leimbach nach 17 Jahren geräumt hat. Seine neue Aufgabe will er erfüllen „im Sinne eines Dienstleisters“, die Verwaltungsabläufe „schlank und effizient gestalten“ und sich daneben auch die Zeit nehmen, Unterricht zu geben. Das muss sein, schon wegen der Glaubwürdigkeit, findet Nolting. Wie auch der Unterricht und seine Qualität wieder mehr ins Zentrum rücken müsse, das sei angesichts einer „Erlass- und Verordnungsflut“ ein bisschen aus dem Blick geraten. Unterricht, sagt Nolting, muss interessant, anregend und problemorientiert sein.
Generationswechsel
Geboren wurde Nolting unweit des Weserbergland-Städtchens Rinteln, heute lebt er mit seiner Frau in Bremen. Sein Studium (Germanistik und Politikwissenschaft) absolvierte er in Göttingen, sein Referendariat in Meppen und Haselünne. Nach seiner Feuertaufe als Lehrer in Ganderkesee war er bis 2005 an Gymnasien in Lingen und Verden tätig. Dann zog es ihn in die Niedersächsische Staatskanzlei, als Referent und später als Ministerialrat.
Die Tätigkeit in der Lehrerausbildung hat in Nolting ein ganz besonderes Problembewusstsein geweckt. „Die Lehrerinnen und Lehrer kommen heute viel jünger an die Schulen als wir noch, da fehlt ein Stück Lebenserfahrung.“ In der Ausbildung, bedauert er, werde außerdem der erzieherische Aspekt immer weiter zurückgedrängt. Gleichzeitig stünde den Gymnasien ein Generationswechsel bevor – in den nächsten fünf bis sechs Jahren gingen gut 30 Prozent der Gymnasiallehrer in Pension. Und schließlich, so Nolting, stelle die Tatsache, dass schon heute rund 80 Prozent der angehenden Gymnasial-Lehrkräfte Frauen sind, die Schulleitungen vor besondere Herausforderungen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Wenn der Oberstudiendirektor mal nicht mit schulischen Dingen befasst ist, schlägt sein Herz für seine Frau und für englische Oldtimer. In der Garage in der Bremer Neustadt steht ein Roadster Triumph TR6.
